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Besprechung
1/2.2010


Ursula Badrutt Schoch :  Seit bald zehn Jahren lebt Albert Oehlen zurückgezogen im Appenzellischen Gais. Im Dorfmuseum hat er nun eine Ausstellung mit zwölf Collage-Tafeln eingerichtet. Diese beziehen sich zwar auf seine raumbezogenen Kunstprojekte, doch sie mutieren zu eigenständigen künstlerischen Arbeiten.


Gais : Albert Oehlen


  
links: Albert Oehlen · Bionic Boogie, 2000, Bodenmosaik, Expo Hannover
rechts: Albert Oehlen an der Vernissage im Dorfmuseum Gais.?Foto: Esther Ferrari


Albert Oehlen (*1954, Krefeld) gehört seit Ende der Siebzigerjahre zu den Protagonisten, wenn es darum geht, das Medium der Malerei in unserer Zeit zu hinterfragen. Als Polke-Schüler und Schlüsselfigur in der Wiederbelebung und Neudefinition von Malerei entwickelte er Seite an Seite mit Martin Kippenberger oder Georg Herold eine opulente Sprache. Während in den letzten Jahren Collagen die Ausgangslage bildeten für Übermalungen, konzentriert sich Oehlen in jüngster Zeit in seinem neu errichteten Atelier auf die pure gegenstandslose Malerei - und die pure Collage.
Als er von der lokalen Kulturgruppe Gais eingeladen wurde, sich im Dorfmuseum als Künstler zu präsentieren, entschied er sich für die Form der Collage; und für die Präsentation seiner raumbezogenen Kunstprojekte. Zu den bekanntesten Werken im öffentlichen Raum gehört das grosse Bodenmosaik «Bionic Boogie», das Oehlen für die Expo 2000 in Hannover realisieren konnte. Die Entwicklung der Gesamtgestaltung von einer Eiform zu einer Klobrille infolge einer auferlegten Kostenreduktion lässt sich in Oehlens Zusammenstellung schmunzelnd mitverfolgen. Wie ein Irrwisch tanzt der nackte Künstler auf dem Klodeckel, wir sehen ihn von unten, sitzen also in der Schüssel. Das Wasserschlauch-Mosaik ist leck und spritzt mit dem Springbrunnen um die Wette, Illusorisches und Reales verknüpfen sich. Die Pläne und Bilder zu den Fischmosaiken für die neue Uferpromenade in Barcelona ergänzt Oehlen mit antikisierenden Satyrschwänzen.
Nicht wenige Arbeiten sind im Auftrag von Benedikt Taschen entstanden, so etwa für die Verlagsfiliale in Paris oder Beverly Hills, oder die Bodenarbeit für Taschens Chemosphere Haus von Architekt John Lautner nahe Los Angeles. Aber auch nicht ausgeführte Projekte wie jenes für das Auswärtige Amt Berlin hat Oehlen für die museale Präsentation aktualisiert und wie auch die anderen Tafeln mit dezenten, aber bezeichnenden Zugaben kommentiert, etwa einer stählernen Verwaltungshand, die eine andere schüttelt. Daneben kommen private Blätter wie eine Zeichnung seines früh verstorbenen Vaters oder seiner Tochter zum Zug. Wie zwölf Grossprojekte in einen einzigen Raum eines Dorfmuseums passen, ist die Fortsetzung jener «Geschichte der Unangemessenheit», die Kunsthistoriker und Situationistenspezialist Roberto Ohrt Oehlen schon früh zugesprochen hat.

Bis: 31.03.2010


Dorfmuseum Gais, bis 31.3., jeweils am 10., 20., 30. des Monats von 18-20 Uhr geöffnet oder auf Voranmeldung: Tel. +41 (0)71 790 05 03



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Ausgabe 1/2  2010
Autor/in Ursula Badrutt Schoch
Künstler/in Albert Oehlen
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