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Besprechung
1/2.2010


Niklaus Oberholzer :  Balthasar Burkhard ist Fotograf im tiefen Sinn des Wortes. In seinen Werken zeichnet das Licht menschliche Körper, Wolken des Himmels oder Farben der Blumen und des Waldes aus dem Dunkel des Urgrundes. Über diesen Ereignissen der Bildwerdung liegt zugleich ein Schleier von Melancholie.


Kriens : Balthasar Burkhard, «Scent of Desire»


  
Balthasar Burkhard · Japan, 2005, Barytabzug, 39 x 39 cm


Das Kellergeschoss des Bellparkmuseums ist niedrig und gestattet kaum, Abstand zu nehmen von den beinahe wandhohen Werken. Es ist, als träten uns hier die lebensgrossen Frauen der Sevilla-Serie unmittelbar entgegen, zumal sie - bis auf eine - uns offen in die Augen blicken. Das weiche Licht hat ihre nackten Körper eben aus dem Dunkel befreit und verleiht ihnen ein sinnliches Leben. Unnötig zu sagen, dass Burkhard nicht nach der «Schönheit» der Glamour-Fotografie, sondern nach einer möglichst direkten Begegnung mit dem Menschenbild sucht.
Wie das Licht die Frauen aus dem Dunkel ins Leben treten lässt, so spüren wir in den neuen farbigen Fotografien Burkhards, auch den Blumenbildern, die Unmittelbarkeit des Lebens. Die mit weichen Härchen, als handle es sich um menschliche Haut, versehenen Stängel des Mohns winden sich im Licht, sodass sie ein an Schlangen gemahnendes Ornament vor den schwarzen Grund zeichnen. Die Blüten entfalten just die gelbe Farbenpracht ihrer weichen Blätter. Noch mehr als für den Mohn mag dies für die blassen Pfingstrosen gelten: Die Schönheit der Blumen ist fragil, als wolle sie gleich wieder ins Dunkel zurücksinken.
Die Freude über das Werden kann in Trauer über das Vergehen hinübergleiten. Ähnlich verhalten sind auch die Bilder von Bäumen, Wiesen, Teichen oder Wasserläufen. Wir glauben, das Aufsteigen oder Absinken dieser Bilder im Zwielicht des beginnenden oder des versinkenden Tages wahrzunehmen. Hier wird - im Gegensatz zu den Akten oder Blumenbildern - nicht Licht auf das Geschehen gelenkt; vielmehr gibt der Künstler dem Licht Raum und Zeit, sich zu entfalten. Es gibt keine Horizonte und keinen Blick in den hellen Himmel. Das weiche Licht ist einfach da. Doch die Bilder, in denen Burkhard sein Augenmerk auch auf die den Himmel spiegelnden Wasserflächen richtet, lassen uns die Herkunft des diffusen Lichtes erahnen.
Jean-Christophe Ammann und Hilar Stadler arrangierten die zwischen den Achtzigerjahren und 2009 entstandenen Werke in den Zimmern der ehemaligen Fabrikantenvilla so, dass die ganze Spannweite zwischen den frühen schwarzweissen und den neuen farbigen Bildern unmittelbar spürbar wird. Zugleich erleben Betrachterin und Betrachter die sinnliche Präsenz der Werke als Klammer, die als erotische Qualität das ganze Schaffen Balthasar Burkhards umfasst.

Bis: 21.02.2010


«Balthasar Burkhard - Scent of Desire», Edizioni Periferia, Poschiavo und Luzern, 2009



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Ausgabe 1/2  2010
Institutionen Museum im Bellpark [Kriens/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Balthasar Burkhard
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