Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
1/2.2010


Alice Henkes :  Mit 50 Artclips aus Österreich verwandelt der Berner Kulturphilosoph und Fachmann für Neue Medien Gerhard Johann Lischka das Kunst-Depot der Galerie Henze + Ketterer in «eine Blackbox, in der wir sehen lernen». Ein hoher Anspruch, den die mit der Kunsthalle Wien realisierte Ausstellung einlöst.


Bern/Wichtrach : Videorama, Artclips from Austria


  
links: Hubert Sielecki · Still aus: Die Helden, 1992, Filmgruppe A.S.K. (Paul Braunsteiner, Josef Nermuth) © ProLitteris, Zürich
rechts: Mara Mattuschka u. Gabriele Szekatsch · Still aus: Unternehmen Arschmaschine, 1997


«Videorama», die dritte Artclips-Ausstellung, die Lischka für Henze + Ketterer eingerichtet hat, vermittelt anhand einer Auswahl von Videos aus der Blickle Stiftung Einblick in das aktuelle Videoschaffen in Österreich und ermöglicht eine substanzielle Auseinandersetzung mit animierten Bildern. Bewegte Bilder sind längst zu täglichen Begleitern geworden, werden aber meist nur als Träger einer Botschaft rezipiert. In der Videokunst sind Begegnungen mit filmischen Welten möglich, deren Ziel nicht vorwiegend darin besteht, dem Betrachter eine Ware, Nachricht oder Meinung zu verkaufen. Künstler wie Thomas Draschan und Axel Stockburger thematisieren die viel beschriene Bilderflut, indem sie den Betrachter bewusst überfordern und an die Grenzen seines Wahrnehmungsvermögens führen. Draschan zeigt in «Freude», 2009, eine Montage gefundener Bilder, die einander in verwirrend schnellem Stakkato folgen. Stockburger sucht in Bilddatenbanken nach Schlagworten wie «Love» oder «Hate» und fasst die Ergebnisse zu einer Collage zusammen. Im Sog der Geschwindigkeit lösen sich die Einzelbilder zur flackernden Abstraktion auf.
Neben den ins Abstrakte laufenden Arbeiten stossen wir auf Videos im Reportagestil. So Stephan Lugbauers «Evoluciones», 2007, das Strassenartisten in Mexico City begleitet, oder klassische Animationen wie Hubert Sieleckis «Buchfabrik», 2008, das in holzschnitthaft einfachen Bildern physikalische Kettenreaktionen zeigt. Das «Unternehmen Arschmaschine», 1997, von Mara Mattuschka und Gabriele Szekatsch setzt sich ironisch mit der Ästhetik und dem Konzept des Science-Fiction-Films auseinander, während Josh Müller narrative Konzepte radikal hinterfragt, indem er von der Idee zu einem Video über Musik erzählt. In «Le ton et la musique», 2006/2008, wird das Wort zum Film. Sechs Themengruppen bündeln die enorme Vielfalt der Schau, in der Lischka eine überzeugende Umsetzung seiner Vision von einer Videoausstellung als bewegtem Wandfries gelingt. Auch die beiden vorangegangenen Artclip-Ausstellungen waren bereits als Grossbildprojektionen auf der Galeriewand angelegt, krankten jedoch an einem lästigen Überlappen der Tonspuren. Nun bilden dunkle Teppiche mit Stühlen und darüber montierten Lautsprechern, sogenannte Hörduschen, Betrachterzonen für die Projektionen auf den weiten Wänden. Dieses kluge Arrangement ermöglicht sowohl Konzentration auf den einzelnen Clip wie ungehinderte Übersicht über die vibrierende Fülle der bewegten Bilder.

Bis: 27.02.2010


Kunst-Depot, Galerie Henze + Ketterer, Wichtrach



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 1/2  2010
Institutionen Galerie Henze und Ketterer [Bern/Wichtrach/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Thomas Draschan
Künstler/in Axel Stockburger
Künstler/in Stephan Lugbauers
Künstler/in Josh Müller
Künstler/in Hubert Sieleckis
Künstler/in Mara Mattuschka
Künstler/in Gabriele Szekatsch
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=100114092515D1A-9
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.