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Hinweis
1/2.2010


 


Frankfurt/M : Dolores Zinny/Juan Maidagan, «Compartement/Das Abteil»


von: Grit Weber

  
Zinny/Maidagan · Das Abteil, 2009, Installationsansicht im MMK Zollamt


Das Werk des Künstlerpaares steht immer in direkter oder indirekter Be­ziehung zur Architektur und deren symbolischen Bedeutung. Für das MMK Zollamt haben Dolores Zinny und Juan Maidagan nun eine Installation entwickelt, die sich auf das Jahr 1927 bezieht, das Jahr, in dem auch das Zollamt eröffnet wurde.
In dem Ausstellungsraum verteilen sich mehrere plastische Skulpturen, die auf farbigen Sockeln ruhen und deren räumliche Kompositionen an die russische Avantgarde und den Konstruktivismus erinnern. Die Skulpturen werden ergänzt durch grossformatige Malereien hinter Plexiglas, Collagen sowie kleinere modellartige Skulpturen. Schon lange nicht mehr hat man in einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst Werke gesehen, die so völlig autonom zu funktionieren scheinen. Der erste Eindruck täuscht jedoch. Denn wie in den anderen Installationen des aus Argentinien stammenden und in Berlin lebenden Künstlerpaars geht auch die Arbeit für das MMK Zollamt von dem konkreten Ort aus und eröffnet ein narratives Spiel mit historischen Assoziationen, architektonischen Anleihen und Bezügen - wenn auch hier in besonders abstrahierter Weise.
Ausgangspunkt ist das Jahr 1927. Inmitten der Frankfurter Altstadt entstand damals das heutige Ausstellungsgebäude als modernes Zollamt im Stil der Neuen Sachlichkeit. Das Gebäude ist ein Beispiel des neuen Frankfurter Architekturstils. Funktion und Symbol treffen in ihm aufeinander. Davon ausgehend recherchierten Zinny und Maidagan andere Ereignisse, die im gleichen Jahr ihren Ursprung haben: Das legendäre Passagierschiff «Cap Arcona» läuft 1927 vom Stapel, Walter Benjamin beginnt mit der Arbeit an seinem Passagen-Werk und Mies van der Rohe entwirft seinen Freischwinger. Als knappe schriftliche Bezüge in den Collagen oder in den Titeln fliessen solch mythisch aufgeladenen Ereignisse in die geometrischen Kompositionen und füllen sie mit symbolischer Bedeutung. Darin spiegeln sich Begriffe wie Modernismus und
Internationalismus. Die Werke sind also keinesfalls autonom.
Die emotional aufgeladenen Begriffe treffen auf die rational konstruiert wirkenden Formen und erzeugen im Zwischenraum dieser gegensätzlichen Kategorien eine melancholische Spannung, die im Rückblick auf die vergangene Zeit sowohl die Notwendigkeit als auch die Vergeblichkeit dieser Utopien mitdenkt.

Bis: 21.02.2010


Katalog mit Text des indischen Schriftstellers Ranjit Hoskote?
work in progress, PROA, Buenos Aires, ab März 2010



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Ausgabe 1/2  2010
Institutionen Altes Hauptzollamt [Frankfurt/M/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Zinny/Maidagan
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