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Hinweis
1/2.2010




Solothurn : Max Matter, Werke 1967-2009


von: Annelise Zwez

  
links: Max Matter · Bones of Music, 2007, Stempeltinte in Mulberry-Paper, 167 x 97 cm. Foto: Max Matter
rechts: Max Matter beim Ausführen eines Hänge­bildes, 1976. Foto: Konrad Wittmer


Die Ausstellung von Max Matter (geb. 1941 in Aarau) ist retrospektiv angelegt. Trotz der Spannweite von 42 Schaffensjahren folgt sie jedoch keiner strengen Chronologie, sondern entwickelt sich so wie das Werk selbst: als Forschungsfeld zwischen empirischer Lust, wissenschaftlicher Neugierde und einem hohen Grad an intellektueller Reflektion. Wenn der Künstler «Das grosse Rad», eine 3 x 3 Meter grosse Zeichnung auf Plane von 1976, neben ein als Kreisform ähnlicher Dimension angelegtes Injektionsbild aus jüngster Zeit hängt, so will er deren Interferenz testen. Er will wissen was das sein Skelett in Relation zum Lauf der Sterne und der Zeit zeigende «Rad» aus den Siebzigern mit den heute durch Einspritzen farbiger Tinkturen in gefaltete Seidenpapiere erwirkten Muster zu tun hat. Indem er in denselben Saal auch das «Blutbild» von 1979 hängt, das in 83'664 Tupfen seinen Puls während 15 Stunden zu einem rhythmischen Skript gerinnen liess, gelingt es ihm, seiner weit gefassten Suche nach autopoietischen Systemen beispielhaft Ausdruck zu verleihen. Mass und Zahl sind dabei seine Parameter, der Körper die Referenz und seine wissenschaftliche Belesenheit der Motor des Fortschreitens in Werk und Zeit. Einen frühen, zukunftsprägenden Höhepunkt erfährt Matters Schaffen 1976, als er sich, drei Jahre nach der Erstpräsentation der Pendelzeichnungen von Emma Kunz, selbst zum Pendel machte, sich kopfüber aufhängte und mit Bleistiften respektive Pinseln an den Händen seine Drehbewegungen performativ auf Papier übertrug. Erstmals seit langem sind diese Werke in Solothurn wieder zu sehen. Der Künstler, so das Credo fortan, soll sich auf Versuchsanordnungen beschränken, die das Entstehen von Bildern ermöglichen. Er untersucht Multiplikationen von Fünf- respektive Sechsecken, macht den Körper zum Schnittmuster, visualisiert Schmerz- und Gedankenformen. War seine Vorgehensweise lange Zeit analytisch, wobei er auch computergesteuerte Mechanismen mit einbezog, so geht er später zu freieren, lustbetonteren Experimenten über, insbesondere Seidenpapierbündeln, die er mit farbigen Tinten injiziert, um in geöffnetem Zustand zu Bildern zwischen Zufall, Ahnung und Ordnung, aber auch emotionaler und visueller Anziehungskraft zu gelangen. Durchbohrte, de- und rekonstruierte Filmstreifen, umgesetzt in Lambda-Prints auf Leuchtkästen, Heliogravüren und weitere Techniken eröffnen im jüngsten Werk neue Wege.

Bis: 14.02.2010


Kunstmuseum Solothurn, bis 14.2. «Max Matter», Binding Séléction d'Artistes, Verlag für moderne Kunst Nürnberg; «Matterialien» I, II, III, Schuber, Eigenverlag



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Ausgabe 1/2  2010
Institutionen Kunstmuseum Solothurn [Solothurn/Schweiz]
Autor/in Annelise Zwez
Künstler/in Max Matter
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