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1/2.2010




Zürich : Peter Emch, «Farbholzschnitte»


von: Dominique von Burg

  
links: Peter Emch · Ohne Titel, 2006/09, Farbholzschnitt, 3/8 Version C, 42 x 44 cm
rechts: Peter Emch · Druckstock zu zwei Farbholzschnitten


Da liegt eine junge Frau, nackt und mit geschlossenen Augen, in einem Himmelbett. Der Zipfel der Bettdecke ist so drapiert, dass ihr Unterleib bedeckt und gleichzeitig entblösst wird. Derweil steht ein nackter Mann mit erigiertem Glied unter der leicht geöffneten Türe und küsst eine andere. In einem weiteren Holzschnitt sieht man eine ältere, mollige Frau in einem durchsichtigen Gewand auf einem Stuhl sitzen. Mit der rechten Hand greift sie sich an die Brust und in der linken hält sie eine Rute. Vor ihr kniet zerknirscht eine junge Frau, während hinter dem Rücken der Sitzenden ein junger Mann mit erigiertem Glied das Geschehen genüsslich beobachtet. Die Szenen, die zu wilden Interpretationen herausfordern, stammen vom chinesischen Maler Leng Mei oder aus seinem Umfeld aus dem 18. Jahrhundert. Von diesem Künstler übernahm Peter Emch (*1945) vier Bildmotive mit nur minimalen Abweichungen und übersetzte diese in Farbholzschnitte in je acht Farbvarianten. Entdeckt hatte er die Tuschzeichnungen in «Liebeskunst - Liebeslust und Liebesleid in der Weltkunst» im Museum Rietberg, 2002/03.
Diese Thematik sprach Emch umso mehr an, als sich das spannungsvolle Verhältnis zwischen Frau und Mann wie ein roter Faden durch sein gesamtes gedrucktes und gezeichnetes Werk zieht. Die in der Ausstellung thematisierten Divergenzen der Liebe in den verschiedenen Kulturen, die durch ganz unterschiedliche Moralauffassungen und Religionen geprägt sind, forderten ihn dabei besonders heraus. Je nach Einfärbung des jeweiligen Holzschnittes treten andere Bildelemente in den Vordergrund, rufen Bedeutungsverschiebungen hervor oder rücken kleine Unstimmigkeiten wie eine an der Wand hängende elektrische Gitarre ins Licht. Während die Szene mit dem untreuen Gemahl in helles Rot getaucht ist und von der Leidenschaft des Hin-und-her-gerissen-Seins spricht, zoomt die dunkelrot-violette Variante die schlummernde, vielleicht träumende Frau heran. Gerade darin liegt die Leistung von Emchs Interpretationen. Gleichzeitig kann man sich allerdings auch fragen, ob diese atmosphärischen Stimmungsnuancen und die detailgetreue Schilderung einer etwas hausbackenen Erotik ausreichen, um die Spannung in einem Kopierprojekt von diesem Ausmass von Tafel zu Tafel durchzuhalten.

Bis: 05.02.2010


Graphische Sammlung, ETH Zürich, bis 5.2., Katalog, Schwabe Verlag, Basel



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Ausgabe 1/2  2010
Institutionen Graphische Sammlung ETH [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Peter Emch
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