Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Fokus
3.2010


 Wo sonst Leuchtreklamen glühen, wurden in einem ambitiösen Projekt rund um die Genfer Plaine de Plainpalais sechs Neoninstallationen realisiert. Anstatt für eine Firma, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu werben, wecken sie unsere Aufmerksamkeit und regen zum Denken an.


Néons - Kunst auf Genfer Dächern


von: Madeleine Amsler

  
Sislej Xhafa · Axis of silence, 2009 (14B avenue du Mail, Genève), Courtesy Fonds d'art contemporain de la ville et du canton de Genève.?Foto: Serge Fruehauf


Leuchtende Firmenlogos sind aus keinem nächtlichen Stadtbild mehr wegzudenken. Rund um das Seebecken von Genf bilden Neonschriften eine Art funkelnde «Edelsteinkette». «Néons» mit seinen sechs Lichtkunstwerken kann als eine Art subversiver Gegenentwurf zu den wuchernden Werbeflächen der Seespitze gelesen werden. Lanciert vom Kunstfonds des Kantons und der Stadt Genf und spezifisch konzipiert für die Häuser rund um die Plaine de Plainpalais, erblickte das Projekt 2007 das Licht. Auf drei Phasen verteilt, wurden jedes Jahr zwei Kunstwerke von einer Fachjury ausgewählt und anschliessend realisiert.
Den Künstlerinnen und Künstlern standen je ein Sockel in Form eines Hauses zur Verfügung. Gemäss der Bauvorschriften für die Reklameschilder galt es, die Maximalhöhe von 1 m 40 einzuhalten und die Breite des Gebäudes nicht zu überschreiten. Das Resultat ist eine auf zehn Jahre angelegte Gruppenschau unter freiem Himmel. Im Unterschied zu herkömmlichen Kunst- und Bau-Projekten, welche vorwiegend von den Bauherrschaften angeregt und nur für ein Gebäude bestimmt sind, brauchte es in diesem Fall die Überzeugungsarbeit der Kunstkommission bei den Hauseigentümern, welche ihr Dach für zehn Jahre kostenlos zur Verfügung stellen.
Mit dem Rohstoff Sprache arbeiten drei der sechs Beteiligten: Rosa leuchtet «Yes to all» von Sylvie Fleury - eine subversive Aufforderung getarnt als Werbeslogan. Dominique Gonzalez-Foerster wirbt für einen fiktiven Ort namens «Expodrome», dessen Schriftzug jede Stunde eine Minute als Ganzes zu entziffern ist. Oder Christian Jankowski (1968, Göttingen), der mit "What I Still Have to Care of" die Passanten mit der Frage "Soll ich noch Geld ausgeben?" zum Nachdenken anhält. Die weisse Neonröhre «Breath» (? Kunstbulletin Nr. 6/2007) von Jérôme Leuba mit dem an- und ausgehenden Licht simuliert ein Atmen. Nic Hess mit «Fly a dragon kite» verwendet Rautenformen, die, wenn man den Titel ausser Acht lässt, ein Firmenlogo darstellen könnten. Die zwei auffallenden Augen von Sislej Xhafa - «Axis of silence», das einzige figurative Werk -, regen Vorübergehende sowohl zum Anschauen als auch zum Weiterschweifen auf die anderen Dächer an.
Mit «Néons» bemächtigt sich Kunst nicht nur einer Örtlichkeit, sondern schafft gleichzeitig visuelle Ruhezonen, denn die Behörden haben seit einiger Zeit Anfragen für zusätzliche Werbeschriften rund um die Plaine de Plainpalais abgelehnt und somit einer weiteren Kommerzialisierung dieses prominenten öffentlichen Platzes einen Riegel vorgeschoben. Keine schlechte Leistung für ein Kunstprojekt! Dank des Erfolges von «Néons» werden in naher Zukunft wahrscheinlich noch zwei weitere Lichtbotschaften das leere städtische Feld umrahmen.

Madeleine Amsler (*1975), Kunsthistorikerin in Genf, Co-Kuratorin von Espace Forde.



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 3  2010
Autor/in Madeleine Amsler
Künstler/in Sylvie Fleury
Künstler/in Dominique Gonzalez-Foerster
Künstler/in Jérôme Leuba
Künstler/in Nic Hess
Künstler/in Sislej Xhafa
Künstler/in Christian Jankowski
Link http://www.neons.ch
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1002261445333QP-2
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.