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Besprechung
3.2010


Daniel Morgenthaler :  Für die erste ganz von ihr verantwortete Schau im Kunstraum Baden hat die neue Leiterin Claudia Spinelli Andreas Dobler eingeladen. Dieser wiederum hat seine ebenfalls künstlerisch tätige Lebenspartnerin Anna Kanai gebeten, mit ihm die Ausstellung zu bestreiten. Das «Confodrama» war vorprogrammiert.


Baden : Andreas Dobler und Anna Kanai, «Confodrama»


  
Andreas Dobler und Anna Kanai · Struktur aus grau bemalten Styrofoamplatten, darin diverse Bilder und Skulpturen, 2009.Foto: René Rötheli


Es ist halb Tragödie: Obwohl hier niemand stirbt, werden auch schon mal Skulpturen an die Wohnwand gestellt. Und es ist halb Komödie: Ein wenig wie Reality-TV, nur dass der Seelenstrip hier in Kunst übersetzt wird. Andreas Dobler (*1963, Biel, aufgewachsen im Aargau) und Anna Kanai (*1971, Zürich) haben anlässlich der Titelgebung für ihre erste gemeinsame Ausstellung im Kunstraum Baden das neue Genre des «Confodrama» erfunden. Claudia Spinelli, welche die Leitung des Kunstraums Mitte 2009 von Stefi Binder übernommen hat, ist damit auch die Verpflichtung eingegangen, primär Künstler aus der Region Baden zu zeigen. Schon ihre erste selbst entwickelte Schau aber zeigt, dass auch ihr Flexibilität wichtig ist: Dobler war aufgefordert, sich für die Ausstellung ein künstlerisches Gegenüber zu suchen. Gefunden hat er es zu Hause, in seiner Lebenspartnerin Anna Kanai.
Das ist nicht ungefährlich, denn damit wird unweigerlich die Beziehung zwischen den beiden ausgestellt. Kanai und Dobler begegnen dieser Tatsache erfrischend offensiv, indem sie ihre Zusammenarbeit mit der Ironie, die schon lange aus Doblers Bildern spricht, zu eben einem «Confodrama» der Gegensätze stilisieren. Im Zentrum der Ausstellung steht dabei sinnigerweise etwas so Widersprüchliches wie eine wild gewordene Wohnwand: eine von der Decke abgehängte Struktur aus Wärmedämmplatten, in deren Nischen sich allerlei Gemälde und Kleinskulpturen verkriechen. Wie beim «Bilderhaus», das Günter Umberg Ende 2006 im Haus Konstruktiv aufgebaut hat, wird hier der Blick gleichzeitig behindert und geschärft: Statt gelangweilt eine Reihe von Gemälden auf Augenhöhe zu passieren, wechselt das Auge in den Jagdmodus.
Während sich in der Hängestrukur Einzelwerke der beiden verstecken - die ausgebildete Fotografin Kanai hat die Malerei erst kürzlich entdeckt -, entstand das riesige Wandgemälde «Hinterworld» in trauter Zusammenarbeit vor Ort. Auch hier nimmt das Drama seinen Lauf: Über eine asiatisch anmutende Brückenszene wird etwa ein Cervelat gehalten. Nebenbei liefert das Bild noch ein passendes Emblem für das Genre des Beziehungs-«Confodramas»: den Velohelm, der auch schnell zur dämonischen Fratze werden kann. Er sorgt zwar für Sicherheit, es sollen aber auch schon Beziehungen an unsexy Helmen zerbrochen sein.

Bis: 07.03.2010



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Ausgabe 3  2010
Institutionen Kunstraum Baden [Baden/Schweiz]
Autor/in Daniel Morgenthaler
Künstler/in Andreas Dobler
Künstler/in Anna Kanai
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