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Gastlabor
3.2010


 Der Aargauische Kunstverein blickt auf 150 Jahre seines Bestehens zurück - und bändelt zugleich mit der Zukunft an. Im Januar wurde als Auftakt des Jubiläumsjahrs der erste Junior-Kunstverein gegründet. Die Veranstaltung war ein grosser Erfolg. 260 Personen waren anwesend, darunter 140 Mädchen und Jungen. Kritisch schauten sie diverse Kunstwerke an, führten Gespräche mit Künstlern und Künstlerinnen und bestimmten schliesslich die Gewinnerin des ersten Junior-Kunstpreises.


Aargauer Kunsthaus - Der erste Junior-Kunstverein


  
Mitglieder des Junior-Kunstvereins vor dem preisgekrönten Werk von Sadhyo Niederberger


Für den im Rahmen der Gründungsversammlung des ersten Junior-Kunstvereins der Schweiz verliehenen Kunstpreis waren also für einmal nicht Kunstexperten die gestrengen Kunstrichter, sondern Kinder und Jugendliche von 0-20 Jahren. Mit einer goldenen Wahlkarte wählten sie aus der Gruppenausstellung «Auswahl 09» ihren Favoriten aus und entschieden sich für ein Werk der in Aarau lebenden Sadhyo Niederberger (*1962). Die Künstlerin hat in Kairo, Argentinien und Paris Reisehäuser, Faltobjekte, Räder, Zelte und «bulles urbaines» produziert. Nebst diesen mobilen Objekten fand ihre grossflächige Wandarbeit Anklang bei den Kindern und Jugendlichen.
Für Sadhyo Niederberger stimmten sie, weil ...

Emma (9): «...ich diese Art von Kunst schön finde. Ich habe noch nie so was Cooles gesehen. Passt perfekt zur Wand!»
Florian (10): «... man nie genau weiss, was es ist.»
Yann (8): «... man in jedem Kreis etwas Spezielles sieht, einen Hund in den Bergen, ein Haus, den Meeresgrund, einen Taucher ...»

Die Ehrung wurde dann ganz offiziell vom Prä­sidenten des Aargauischen Kunstvereins überreicht. Das anschliessende Interview fürs Kunstbulletin führte wiederum ein ad hoc gegründetes Junior-Team.
Dazu gehörten Anina Riniker, eine 15-jährige Hobby-Schlagzeugspielerin und bereits routinierte Ausstellungsbesucherin aus Habsburg;
Ursina Wernli, eine 14-jährige Schülerin aus Windisch, die sich für Hip-Hop und den Street­artist Banksy interessiert, Ausstellungen meist nur mit den Eltern besucht - nicht immer mit Begeisterung - und im Nachhinein doch froh ist, dass sie mitgegangen ist.
Dritter im Bunde war Gian Martins, ein kecker 8-Jähriger, der Kunst kennt, weil seine Mutter Künstlerin ist. Für ihn ist ein Ausstellungsbesuch drum nichts Neues. Er zeichnet gerne, zum Beispiel Monster.

Die Jury wollte wissen:
Anina: ... Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Sadhyo Niederberger: Das Unterwegssein inspiriert mich, mobile und praktische Arbeiten zum Falten, Rollen oder Zusammensetzen zu schaffen. Die Kreise zu «bulles urbaines» sind in Paris, bei einem Atelieraufenthalt entstanden. Es waren immer Kreise. Sie sind wie der Puls der Stadt. Aus vielen Einzelbildern habe ich eine Art Universum geschaffen. Wer die Kreise näher betrachtet, erkennt viele erzählerische und abstrakte Querbezüge. Die Kreisbilder können je nach Raum immer wieder neu angeordnet werden. Das gibt jeweils ein neues Bild. In dieser Ausstellung habe ich 50 Kreisbilder so aufgehängt, dass sie den Raum öffnen. Je nachdem wo der Betrachtende steht, schaut es anders aus. Die Kreise sind richtungslos und überschneiden sich zum Teil. Es gibt den Eindruck von Bewegung, als ob sich das Werk ständig verändern würde.

Ursina: Machen Sie ein Werk nach dem andern?

Sadhyo Niederberger: Meistens arbeite ich an einem Thema, aber mit unterschiedlichen Dimensionen. Gleichzeitig entstehen dazu Skizzen in Büchern, Zeichnungen und Objekte. Alles hängt irgendwie zusammen.

Gian: Möchten Sie gern berühmt werden?

Sadhyo Niederberger: Es ist schön, wenn die Arbeit Beachtung findet. Das Gefühl, gesehen und wahrgenommen zu werden, ist gut.

Anina: Ärgert Sie, wenn jemandem Ihr Werk nicht gefällt?

Sadhyo Niederberger: Kritik an der Arbeit ist wichtig. Wenn negative Kritik mit Respekt geäussert wird, kann ich diese gut annehmen.

Zusammen mit den Kids und den Jugendlichen werden jetzt Ideen für kommende Veranstaltungen ausgeheckt: Was lockt die Kleinen, aber auch Teenager ins Museum? Nein, keine Bildbetrachtung von Böcklins «Ruine am Meer». Stattdessen ein Treffen mit einem bekannten Fussballer oder einem Modefotografen. Die Persönlichkeiten werden ihre Berufsgeheimnisse für ein Fotoshooting oder eine Sportlerkarriere verraten - vielleicht mit Blick auf die junge Frau, die Böcklin so gekonnt gemalt hat, und auf eine Künstlerkarriere. Oder die geladenen Stars suchen ein Werk aus und erklären, wieso sie sich davon angesprochen fühlen.
Andere Junioren, die selbst künstlerisch aktiv werden möchten, können im Herbst zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern eine Kurswoche besuchen. Und natürlich sind die involvierten Kinder und Jugendlichen auch als Botschafter bei ihren gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen aktiv und garantieren, dass es nach dem rasanten Start nun ebenso quirlig weitergeht.



Links

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Ausgabe 3  2010
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
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