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Besprechung
4.2010


Madeleine Amsler :  «De l'origine de la sculpture, 1958-2009» heisst die bisher umfangreichste Retrospektive von Franz Erhard Walther. Seit den Anfängen des Genfer Museums in der permanenten Sammlung vertreten, bespielt der deutsche Künstler eindrucksvoll die vier Etagen mit seinen Farben und Formen und Volumen.


Genf : Franz Erhard Walther


  
Franz Erhard Walther · Das Neue Alphabet - Form J, 1994, Das Neue Alphabet - Form Q, 1994, Das Neue Alphabet - Form Z, 1991


Die nicht chronologische Anordnung legt nah, zahlreiche Verbindungen zwischen den verschiedenen Werkgruppen zu ziehen. Sehr bald lässt sich auch eine gewisse Farbpalette herauslesen, welche sich, wie Franz Erhard Walther (*1939, Fulda) betont, seit Anfang seines Schaffens kaum verändert hat. Seine Objekte, so der Eindruck beim Durchschreiten der Säle, scheinen darauf zu warten, in eine Handlung eingebunden zu werden. Den Betrachter bezeichnet Walther als wichtigen Bestandteil der Werke. Er fordert von ihm, dass er aktiv auf die Werke reagiert und nicht nur eine betrachtende Funktion einnimmt.
Exemplarisch für das Ausloten des Begriffs Skulptur steht der «1. Werksatz (1963-1969)», von welchem 58 Werke in Lagerform - auch ein vom Künstler vorgesehener Werkzustand - unter einem Glaskubus in der permanenten Ausstellung sozusagen aktiv eine Verschnaufpause einlegen. Dies bis zu dem Moment, an dem die eingepackten Stoffobjekte aus ihrem beigen Überzug herausgenommen und durch Besucher «bedient» werden. Auch beim «Luzerner Schreitsockelensemble», 1975-1977, erhalten die Basen ihre Funktion erst, wenn sich der Betrachter darauf stellt und zu einer lebenden Skulptur wird.
Leiser als die voluminösen Textilobjekte sind die Zeichnungen. Einerseits haben sie eine doppelte Existenz als zweiseitig bemalte Blätter, von denen jeweils nur eine Seite sichtbar ist, die Rückseite jedoch hindurchdrückt. Andererseits dokumentieren die Arbeiten auf Papier den Werdeprozess eines dreidimensionalen Konstrukts, seine Form- und Farbfindung sowie seine Kontexte. So zum Beispiel bei den «Wandformationen»: Der Künstler aquarelliert die Farben und die Formenverteilung, bevor er das Werk an der Wand entstehen lässt.
Bei der Werkgruppe «Das Neue Alphabet», 1990-1996, sind Zeichnung und Skulpturen gleichwertig, beide Techniken existieren nebeneinander und ernähren sich gegenseitig. Die Zeichnung ist auch ein wichtiger Bestandteil von «Sternenstaub», 2007-2009, worin Franz Erhard Walther seine Lebens- und Werkgeschichte in Schrift und Bild festhält. Eindrücklich über mehrere Räume verteilt hängen die über 500 Originalblätter, in denen sich die Besucher auf eine Zeitreise durch seine Erinnerungen - und ein Stück Kunstgeschichte - von 1942 bis 1973 begeben können.

Bis: 02.05.2010



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Ausgabe 4  2010
Institutionen Mamco Genève [Genève/Schweiz]
Autor/in Madeleine Amsler
Künstler/in Franz Erhard Walther
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