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Besprechung
4.2010


Niklaus Oberholzer :  Hugo Suter befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Phänomen des Lichts. So ist es nur natürlich, dass er der Fotografie eine zentrale Bedeutung zuweist. Er bedient sich des Mediums nicht als Theoretiker, sondern pragmatisch - als wolle er damit der flüchtigen Wahrnehmung des Lichts Dauer verleihen.


Aarau : Hugo Suter, «Fotografien 1969-2009»


  
Hugo Suter · Die leichten Verschiebungen beim Abstellen des Glases, 2008, Papiervergrösserung, 22 x 18 cm


Die von Stephan Kunz betreute Ausstellung im Kunsthaus in Aarau widmet sich erstmals der seit 40 Jahren andauernden Beschäftigung des am Hallwilersee lebenden Hugo Suter (*1943) mit der Fotografie. Einen Fotokünstler will man Suter, auch wenn der Kurator für fast alle Facetten des sich weit verästelnden Werks fotografische Belege findet, aber nicht nennen, denn der Künstler greift stets nach jenen Ausdrucksmöglichkeiten, die ihm im Augenblick am nächsten liegen, und verknüpft sie miteinander: Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation oder eben Fotografie. Mehr als andere Medien bietet diese ihm Gelegenheit, sich dem Ephemeren, dem Vergänglichen, dem Hinübergleiten, den Durchsichten und dem Durchscheinenden anzunähern. Die Fotografie als ein Zeichnen oder Schreiben mit Licht ist Suters Forscherdrang auch eine willkommene Hilfe, um dem Phänomen des Sehens auf die Spur zu kommen. Sie wird zum immer wieder neu faszinierenden Spielfeld der Wahrnehmung. Der Künstler setzt dabei die Fotografie stets anders ein - als Dokumentation, als (technisches) Experiment, als Versuch, das kaum Sichtbare zu fokussieren, als Mittel, sich dem Paradox des Fixierens des flüchtigen Zeitlaufs anzunähern.
Seine Wahrnehmung richtet Suter, und das gibt seinem Werk eine unprätenziöse und doch entschiedene Note, immer wieder auf das Nächstliegende - auf ein Wasserglas auf dem Tisch, auf den Garten vor seinem Fenster, auf die beschlagene Fensterscheibe selber, auf die Spiegelungen in einer Pfütze, auf einen Rinnstein und - das ist ein zentrales Thema seiner Arbeit - auf den See und die Lichtverhältnisse auf seiner Oberfläche. Die Fotos lassen ein leises Spiel des Windes auf dem sich kräuselnden Wasser zum Ornament gefrieren. Sie forschen nach dem, was unter der Wasseroberfläche liegt. Sie fixieren die auf dem Wasser tanzenden Lichter.
Der Stellenwert der Fotografie wird im Lauf der Jahrzehnte differenzierter. Um 1970 verleiht Suter scheinbar nebensächlichen und sich verflüchtigenden Eindrücken Dauer und Bedeutung, indem er zum Beispiel ein Militärzelt auf dem Pragelpass oder ein Wellblech-WC auf einer Baustelle fotografiert. 2008 erforscht er mittels Mehrfachbelichtung die leichten Verschiebungen beim Abstellen eines Glases; aus dem einen Glas wird ein komplexes mehrteiliges Glasgebilde voller Reflexe und Spiegelungen von betörender Schönheit.

Bis: 18.04.2010



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Ausgabe 4  2010
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Hugo Suter
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