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4.2010




Thun : !Mediengruppe Bitnik


von: Alice Henkes


Mediengruppe Bitnik, Opera calling


«Hallo? Was soll das?» Nicht jeder reagiert erfreut, wenn plötzlich Opernklänge aus dem Telefonhörer dringen. Ganz unvorbereitet kommt der Wohlklang zwar nicht. Eine freundliche Frauenstimme begrüsst die Angerufenen und erklärt, man sei nun mit dem Zürcher Opernhaus verbunden und dürfe nach Belieben akustisch an der gegenwärtigen Aufführung partizipieren. Und das kostenfrei. Die Medienkunstgruppe Bitnik erarbeitete 2007 im Cabaret Voltaire das Projekt «Opera Calling», für das der Zuschauerraum der Oper in Zürich verwanzt wurde. Nach dem Zufallsprinzip wurden Zürcher Telefonanschlüsse angewählt und mit dem Opernhaus verbunden. Was die Hörer nicht wussten: Alle ihre Kommentare und Nebengespräche wurden aufgenommen. Das aus der Aktion entstandene Material ist nun im Kunstmuseum Thun zu sehen.
Die raffinierte Kulturpiraterie «Opera Calling» bildet den Auftakt zur neuen, auf ein Jahr angelegten Ausstellungsreihe «online», die in Kooperation mit dem Bundesamt für Kultur (BAK) stattfindet. Seit 2003 fördert das BAK mit der Initiative «Sitemapping» neue Medienkunst; es ist eine der vom Bundesrat angeregten Strategien zur Informationsgesellschaft, welche die Gesellschaft an die neuen Medien heranführen wollen. Unterstützt werden nicht nur Kunstprojekte, sondern auch die Vermittlung durch Ausstellungen sowie Online-Magazine und die Archivierung von Medienkunst. Ausgewählt werden die einzelnen Projekte von einer Fachjury, die aus Mitgliedern der Eidgenössischen Kunstkommission besteht. Die Ausstellungsreihe «online» ist für Aurelia Müller, welche die Initiative «Sitemapping» beim BAK leitet, eine gute Gelegenheit, mit dem Internet verknüpfte Medienkunstprojekte, die sonst oft nur bei speziellen Festivals zu sehen sind, einem breiteren Publikum vorzustellen. Zwar ist das Internet für die meisten Menschen längst Alltag, neuer Medienkunst aber begegnen viele Kunstfreunde nach wie vor mit grosser Scheu. Helen Hirsch, Direktorin des Kunstmuseums Thun, war es deshalb wichtig, in der Reihe «online» Projekte vorzustellen, die in die Gesellschaft eingreifen. «Es soll nicht zu abstrakt sein», sagt sie. Nach Bitnik wird Norbert Moeslangs Projekt «Sitepainting» vorgestellt, das mit Bildern arbeitet, die ein Computer nach dem Zufallsprinzip aus dem Internet fischt. Esther Hunziker wird dann ab Juli in «Dump» computergenerierte Mails, wie man sie aus dem Spam-Ordner kennt, in Geschichten einflechten.

Bis: 11.04.2010



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Ausgabe 4  2010
Institutionen Kunstmuseum Thun [Thun/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in !Mediengruppe Bitnik
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