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Besprechung
5.2010


Niklaus Oberholzer :  Im Oktober wird das Kunstmuseum Winterthur nach eineinhalbjährigen Sanierungsarbeiten wieder eröffnet. Doch das Museum zeigt bereits jetzt im Erweiterungsbau einen Überblick über das Schaffen Markus Döbelis. Es ist seine erste Museumsausstellung seit der Verleihung des Manor-Kunstpreises in Luzern 1998.


Winterthur : Markus Döbeli


  
links: Markus Döbeli · Ohne Titel, 2000, Acryl auf Leinwand, 305 x 355 cm
rechts: Markus Döbeli · Ohne Titel, 2004, Acryl auf Leinwand, 263 x 288 cm


Die schön proportionierten und von Tageslicht erfüllten Räume des Erweiterungsbaus eignen sich vorzüglich für die Präsentation der rund 25 Werke des in Luzern lebenden Malers Markus Döbeli (*1958) und verhelfen den teils über vier Meter breiten und über drei Meter hohen Acrylmalereien zu weit ausholender und ruhig atmender Präsenz. Die im vergangenen Jahrzehnt entstandenen Gemälde sind wohl einem einheitlichen Gestaltungswillen unterworfen, jedoch nicht gleichförmig, sondern im Gegenteil von grosser Vielfalt, die allerdings ein genaues Hinsehen und auch ein nahes Herantreten erfordert. Allen ist eigen, dass sie stets «nur» Malerei bleiben, und dass sich ein Inhalt nicht in Worte fassen lässt. Erste sich vielleicht einstellende gegenständliche Assoziationen verflüchtigen sich rasch oder setzen sich allenfalls als je nach Disposition von Betrachterin und Betrachter unterschiedliche Gefühlseindrücke wie Heiterkeit, Verletzlichkeit, Trauer und als nicht präzise benennbares Atmosphärisches fest.
Die Bandbreite von Markus Döbelis Erkundungen der Gestaltungsmöglichkeiten der Malerei ist gross. Beim Betreten der Ausstellungsräume stellt sich der Eindruck ein, dass am Anfang des Malvorganges der Entscheid des Künstlers für bestimmte und dominierend eingesetzte Farben (Rot, Blau, Grün) oder für Farbklänge (Hellblau-Türkis-Lila) steht. Diese in zahlreichen Überlagerungen lasierend aufgetragenen Töne artikulieren sich in manchen Werken in freien Wolken oder in weichem Fliessen und verfestigen sich in anderen deutlich zu tektonischen Schichtungen. In einigen Malereien lässt Döbeli Gestisch-Ausgreifendes vorherrschen. Wiederum allen Werken gemeinsam ist die Distanz-Wirkung der die Räume beherrschenden Malereien und, im Gegensatz dazu, dass das Verfolgen des differenzierten Malvorganges aus der Nähe zum visuellen Abenteuer wird.
Eindrücklich, wie Markus Döbeli das Grossformat beherrscht, und wie er der
hier intensiv leuchtenden, dort zurückhaltenden Farbigkeit Halt und zugleich freie Entfaltungsmöglichkeit gibt. Eindrücklich ist auch die Geradlinigkeit, mit der er sich seiner malerischen Passion ohne Blick auf allfällige Mainstream-Tauglichkeit hingibt. Das gilt auch für die Aquarelle, die der Künstler in Winterthur erstmals öffentlich zeigt.

Bis: 24.05.2010


Katalog mit Texten von Dieter Schwarz, Ulrich Loock und Hans Rudolf Reust



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Ausgabe 5  2010
Institutionen Kunst Museum Winterthur [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Markus Döbeli
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