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Besprechung
5.2010


Brita Polzer :  Nicht nur Städte, auch Naturregionen verändern sich - und das mit zunehmender Geschwindigkeit. Der Strukturwandel der Land(wirt)schaft ist Thema vieler Künstler/innen und findet nun Widerhall in einer Gruppenausstellung in der Zürcher Shedhalle, kuratiert von Yvonne Volkart und Anke Hoffmann.


Zürich : Lands End. Landschaft zwischen Bild und Raum


  
links: Sebastian Diaz Morales · The Way Between Two Points (Terra Incognita), 2009 (Videostill), 2-Kanal-Installation, HD, 18'. Courtesy carlier | gebauer
rechts: Eva Castringius · Cementary Road, Lambda Farbdruck auf Aluminium, 103 x 180 cm, aus The Greath Thirst, 2003


Überraschenderweise kommen die meisten der gezeigten Positionen nicht ohne Sound aus - als ob es eines akustischen Stimmungsraums bedürfe, um die Befindlichkeit gegenüber Landschaft auszudrücken. So unterlegt Sebastian Diaz Morales sein «The Way Between Two Points» mit bedrohlicher Musik. War es bei Richard Long noch elementare Naturlandschaft, die als Folie für die Walks fungierte, ist es hier ein ehemaliges Öl-Fördergebiet, das ein als Arbeiter bezeichneter Mann durchstreunt. Der Landstrich in Patagonien, um den es sich handelt, wird als verwüstet, zugleich aber als neu anzueignende Terra Incognita vorgestellt, wo sich der Impetus des Entdeckers mit dem des Revolutionärs verbindet.
In Eva Castringius' Fotografien dagegen bleibt die Verwüstung in ästhetischer Zuständlichkeit gebannt. «The Great Thirst», 2003, zeigt eine tot anmutende, von einbetonierten Wasserläufen durchzogene ausgetrocknete Gegend. Nicht hier und jetzt darf das Wasser Leben spenden, es wird stattdessen der entfernten Wüstenstadt Los Angeles zugeleitet, zu deren Versorgung 1907 ein Aquädukt gebaut wurde, welches die Zerstörung des ehemals fruchtbaren Owens Valley mit sich brachte. Wo sich jedoch ein Hier und Jetzt ereignet, da geht es nicht mehr mit Natur einher. Setzt man die Kopfhörer auf, die zur Videoarbeit von Verena Maas gehören, hört man Lachen und vergnügtes Kreischen, allerdings mit seltsamer Akustik. Was auf den ersten Blick wie Schneehänge oder Badestrand erscheint, stellt sich als künstliche Landschaft vom Indoor-Ski bis zur Tropenhalle heraus.
Landschaft wird in «Lands End» als Raffinerie-Moloch präsentiert - bei Emily Richardson kleidet sich dieser in poetisch-schöne, dann aber auch geisterhaft-furchteinflössende Bilder - oder auch als reines, mittels Unterwassermikrofonen hergestelltes Sound-Stück, so bei Jana Winderen, welche mit einer Geräusch-Arbeit das exotische Leben von Dorschen, Stören oder Krabben vorstellt. Vielleicht ist das Thema der Ausstellung mit zwölf sehr heterogenen Positionen allzu breit gefasst, aber alle Arbeiten sind spannend. Die Schweiz ist in Form Graubündner Landwirtschaft präsent. Gabriela Gerber und Lukas Bardill haben in «Partnun 1-7», 2008, bäuerliche Idylle in ameisenhafte Emsigkeit umgesetzt. Die einen ganzen Sommer lang filmisch festgehaltene Nutzung eines Hangs wurde auf einige wenige Minuten gerafft.

Bis: 16.05.2010



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Ausgabe 5  2010
Institutionen Shedhalle [Zürich/Schweiz]
Autor/in Brita Polzer
Künstler/in Sebastian Diaz Morales
Künstler/in Eva Castringius
Künstler/in Gerber/Bardill
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