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Besprechung
5.2010


Miriam Wiesel :  Als Auftaktveranstaltung zu dem gross angelegten Kulturaustauschprojekt zwischen Berlin, Warschau und Mumbai «The Promised City» präsentiert sich derzeit das 2005 gegründete Museum für zeitgenössische Kunst Warschau in den Kunst-Werken in Berlin.


Berlin : Early Years


  
Johanna Rajkowska · Wąwóz (Schlucht), 2009, Fototapete, 358 x 218 cm


Die Positionen spielen fuer das Selbstverstaendnis des neuen Museums eine zentrale Rolle. Die aelteste ist die schon auf der documenta 12 gezeigte Diashow "Aktivitaeten mit Dobromierz", 1972-1974, des Kuenstlerpaars KwieKulik, das den kleinen Sohn in logistisch-skurrile Arrangements einbezog. Die juengste Position ist die Aufnahme vom Defilad-Platz (Jan Smaga), wo das Museum bis 2014 nach Plaenen des Schweizer Architekten Christian Kerez entstehen soll. Noch sieht man dort die Markthalle KTD, die im Video von Artur 'Zmijewski hart umkaempft wird: Im Juli 2009 wurden die Haendler daraus vertrieben, weil dort eine neue U-Bahn-Linie verlaufen soll.
An politischen Widerstand auf der Strasse schliesst auch die Arbeit von Sharon Hayes an, "In the Near Future", 2008, die Losungen und Slogans an Orten vergangener Proteste praesentiert. Sanja Ivekovi'c hingegen thematisiert die Rolle der Frau in der Post-Transformationsgesellschaft, die in der Freiheitsbewegung Solidarno's'c marginalisiert wurde. Tania Brugueras Performance, "Consummated Revolution", 2008, zeigt eine Gruppe von Blinden in Militaeruniform, die vorm Palast der Kultur und Wissenschaft Passanten sexuell belaestigen sollen. Persoenlicher beruehren die Aufnahmen von Ahlam Shibli aus polnischen Kinderheimen, welche die emotionalen Abhaengigkeiten und sozialen Organisationsmuster von Kindern zeigen, die ohne familiaere Geborgenheit aufwachsen muessen.
Am eindrucksvollsten und verstoerendsten aber ist Yael Bartanas in der grossen Halle gezeigter Film "Mauer und Turm", 2009, der auf der Baustelle des "ersten Kibbuz in Europa" spielt. Unterlegt von den Nationalhymnen Israels und Polens und inszeniert wie ein frueher Propagandafilm, errichtet eine Gruppe juedischer Neuankoemmlinge auf dem Gelaende des ehemaligen Warschauer Ghettos einen aus Holz vorgefertigten Turm mit Palisaden - wie in den spaeten Dreissigerjahren in Palaestina, als die Zerstoerung bestehender Gebaeude gemaess osmanischer Rechtsprechung verboten war. Die juedische Rueckkehr nach Polen wurde von Bartana schon 2007 thematisiert in "Traeume Albtraeume", mit dem Appell: "Wir wollen, dass drei Millionen Juden nach Polen zurueckkehren und dass ihr wieder unter uns lebt!" Heroische Aufbruchstimmung, symbolisiert durch die polnischen Nationalfarben mit Adler und Davidsstern, durchzieht diese sehenswerte Ausstellung.

Bis: 02.05.2010



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Ausgabe 5  2010
Institutionen KW Institute for Contemporary Art [Berlin/Deutschland]
Autor/in Miriam Wiesel
Künstler/in Sharon Hayes
Künstler/in Yael Bartana
Künstler/in Artur Zmijewski
Künstler/in Jan Smaga
Künstler/in KwieKulik
Künstler/in Tania Bruguera
Link http://www.promised-city.org
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