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5.2010




Genf : Pamela Rosenkranz


von: Madeleine Amsler

  
links: Pamela Rosenkranz · Bow Human, 2009/ Firm Being (Apricot Spring), 2009. Foto: August Rosenkranz
rechts: Pamela Rosenkranz . As One, 2010/Firm Being (Blush Neutral), 2009.


In «No Core» begibt sich der Betrachter auf die Spurensuche einer menschlichen Existenz. Deren An- und Abwesenheit könnte man als roten Faden durch die monografische Ausstellung von Pamela Rosenkranz (*1979) im Centre d'art contemporain in Genf sehen. Man ist versucht, die offensichtlich von Menschenhand hinterlassenen Spuren zu deuten. Seien es die von einer Hand beschmierten Plexiglasscheiben, die mit einer hautfarbenen Flüssigkeit gefüllten Wasserflaschen oder die Kälteschutzdecken. Die Künstlerin scheint als die Akteurin im Hintergrund zu walten, welche die Indizien sorgfältig zu verwischen weiss.
Das einzige identifizierbare Individuum ist Michael Jackson. Im Video «No One» von 2010 ändern sich seine Gesichtszüge in einer Endlosschlaufe minimal mittels einer Computeranimation. Die kleine Geste reicht, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Mimik zu lenken, was zur Folge hat, dass wir die vermeintliche Vertrautheit mit dem Popstar und dessen Mythos vergessen, oder seine Person zumindest in den Hintergrund rückt.
Die Werkgruppen sind durchmischt im Raum platziert, man erkennt schnell die verbindenden Elemente wie die Kälteschutzdecke, die Farbenpalette aus verschiedenen Hauttönen und reflektierende Materien wie Spiegel oder Plexiglas.
Die Kälteschutzdecken werden einerseits eingesetzt, um menschliche Körper in Kauer­stellung zu bedecken - so in «Bow Human» von 2010, wo die Skulpturen vor den Blicken geschützt und anonymisiert sind. Andererseits dienen sie bei der grossformatigen Bildserie «Stretch Nothing» von 2010 als Leinwand, auf die meist Farbe in Hauttönen aufgetragen wird. Man könnte annehmen, dass die schützende Decke von der Skulptur abgelöst wurde, um sie aufgespannt zur Schau zu stellen. Die Hautfarbe wird zum Stellvertreter eines menschlichen Körpers. So auch bei den von Hand aufgemalten hautfarbenen «Schmierereien» auf den halbrunden Plexiglasskulpturen «As One» von 2010. Der performative Akt, der noch sichtbar ist, wird nur angedeutet und steht nicht im Zentrum des Endproduktes. Die wiederkehrenden Elemente dienen dazu, die Spuren einer menschlichen Existenz - der man nicht wirklich auf die Spur kommt - in verschiedenen Formen durchzuexerzieren, so entsteht ein Raum für unzählige Interpretationen.

Bis: 16.05.2010



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Ausgabe 5  2010
Institutionen Centre d'Art Contemporain [Genève/Schweiz]
Autor/in Madeleine Amsler
Künstler/in Pamela Rosenkranz
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