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Hinweis
5.2010




Konstanz : Vera Ida Müller


von: Simon Baur

  
links: Vera Ida Müller · Set 1.01, 2010, Öl auf Leinwand, 140 x 180 cm
rechts: Vera Ida Mueller . Set 1.03, 2010, Oel auf Leinwand, 140 x 180 cm


Es ist die erste Einzelpräsentation der Werke von Vera Ida Müller in einer öffentlichen Kunstinstitution und die Künstlerin ist nicht der Versuchung erlegen, die Räume zu überladen. Im Flur des Eingangs hängen fünf Bilder, auf denen in dezenten Farbklängen vollendete oder bereits zusammengefallene Kartenhäuser zu sehen sind. Sie thematisieren eine Art Geduldsspiel, um inspirationslose Momente zu überwinden, und stimmen in ihrer variablen Gelassenheit gekonnt auf den Hauptraum ein. In diesem sind sechs grossformatige Ölbilder zu sehen, Variationen eines übergreifenden Themas.
In früheren Bildserien arrangierte Vera Ida Müller Motive von aufgefundenen Diapositiven, auf denen Feste, Interieurs oder Fami­lientreffen zu sehen sind, zu Situationen, die durch Verschachtelungen, Spiegelungen und Überblendungen die nonverbale Kommuni­kation von Menschen zeigten. In ihren neuesten Arbeiten lud sie 14 befreundete Perso­nen in einen Park in Winterthur ein und trug ihnen auf, sich zwei Stunden lang zu bewegen. Als Requisiten standen ihnen fünf Stühle und 2'000 Blatt Papier zur Verfügung. Die Teilnehmer wussten zwar, dass sie fotografiert werden, was aber mit den rund 90 Diapositiven geschehen sollte, erfuhren sie nicht.
Für die Bilder, die daraus entstanden, diente Lucas Cranachs Gemälde «Das Paradies» als konzeptuelle Vorlage. Darin werden verschiedene Handlungen unterschiedlicher Perso­nengruppen gleichzeitig dargestellt. Diesem Prinzip gehorchen auch die sechs grossformatigen Bilder, wobei jedes einem anderen Farbklang zugeordnet ist: weissbraun, gelbschwarz, graugrün, rotgrün, schwarzgrün und violettgrau. Diese farblichen Variationen lösen unterschiedliche Stimmungen aus, denen sich die Betrachter kaum entziehen können.
Im letzten Raum löst Vera Ida Müller mit zwei Bildern von menschenleeren Parklandschaften und einer Serie von Ölzeichnungen, welche die 14 Personen als Einzelfiguren zeigen, ihr malerisches Konzept wieder auf. Ein guter Schachzug, der auf die Endlichkeit der paradiesischen Zustände auf den Bildern ver­weist.

Bis: 07.06.2010



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Ausgabe 5  2010
Institutionen Kunstverein Konstanz e.V. [Konstanz/Deutschland]
Autor/in Simon Baur
Künstler/in Vera Ida Müller
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