Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
6.2010


Miriam Wiesel :  Wie werden wir leben, wenn unsere wichtigste Energieressource - Öl - in naher Zukunft immer teurer und knapper wird? Wie organisieren sich Städte, wenn sie auf fossile Energie für Mobilität und Klimatisierung verzichten müssen? Die ifa-Galerie widmet ihr Jahresprogramm Fragen der Nachhaltigkeit.


Berlin : Post-Oil City. Die Geschichte der Zukunft der Stadt


  
links: Stadtzentrum der ökologischen Musterstadt Masdar (Abu Dhabi). Foto: LAVA/atelier illume
rechts: Stadtzentrum Masdar (Nachtansicht). Foto: LAVA/atelier illume


«Post-Oil» steht hier stellvertretend für die Notwendigkeit einer Umstellung auf erneuerbare Energien. Überlegungen dazu hat es schon früher gegeben. Besonders in Krisenzeiten (Great Depression, Ölkrise, Golfkrieg u.a.) war ein Anreiz geschaffen, alternative Konzepte für Verkehr und Wohnen zu entwickeln. So erstaunt es nicht, dass die von der Zeitschrift Arch+ und dem Institut für Auslandsbeziehungen gemeinsam realisierte Ausstellung Bezug auf Projekte und Utopien der (frühen) Moderne nimmt: Sei es ‹Broadacre City› von Frank Lloyd Wright aus den Dreissigerjahren, das innerstädtische Anbauflächen vorsieht, ein Vorläufer der Community Gardens und des Guerilla Gardening auf den Dächern der Grossstädte der Welt, seien es die Kuppelbauten von Buckminster Fuller oder die Megastrukturen von Yona Friedman, die spätere Architektengenerationen inspiriert haben – die Ausstellung entwickelt sich dialogisch. So hat auch das Selbsthilfe-Projekt Mexicali aus den Siebzigerjahren, mit N.E.S.T. (New Energy Sustainable Town), einer sich selbst versorgenden Stadt des Schweizer Architekten Franz Oswald, in Äthiopien eine Fortsetzung erfahren.
Sehr ehrgeizig nimmt sich dagegen Masdar City (Foster + Partners) in Abu Dhabi aus: eine Stadt in der Wüste für rund 70'000 Einwohner, die als CO2-neutrales Vorzeigeprojekt und Forschungszentrum für regenerative Energien geplant worden ist, um dem enormen Energieverbrauch der Arabischen Emirate ein zukunftsfähiges Konzept entgegenzuhalten. Neben avanciertester Klimatechnik wird dabei auch auf traditionelle vernakuläre Architektur zurückgegriffen. Und damit stehen die engen Strassen und vorkragenden Gebäude, die eine optimale Verschattung liefern, im krassen Gegensatz zu den rekordlüsternen Turmbauten in Dubai oder der Hauptstadt Abu Dhabi, die nach dem Vorbild und auf dem Raster von Manhattan geplant worden ist. Nichtsdestotrotz verlangt auch Masdar City, sollte es im Gefolge der Finanz- und Wirtschaftskrise noch 1:1 realisiert werden, auch den künftigen Bewohnern die Bereitschaft zu klimabewusstem Verhalten und angepasstem Lebensstil ab: 21° Raumtemperatur wird in der Wüste nicht zu halten sein.

Bis: 18.07.2010


«Post-Oil City. Die Geschichte der Zukunft der Stadt», Katalogheft Arch+, 196/197, 2010



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 6  2010
Ausstellungen Post-Oil City [30.04.10-18.07.10]
Autor/in Miriam Wiesel
Link http://www.ifa.de
Link http://www.archplus.net
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=100528095058XAL-9
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.