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6.2010




Frankfurt/M : Heide Nord und Falke Pisano


von: Grit Weber

  
links: Heide Nord · Konstantin Ciolkovskij, 2009/10
rechts: Falke Pisano · Raumansicht MMK Zollamt. Foto: Axel Schneider


Die Werke beider Künstlerinnen, die im Jahre 2008/09 Stipendiatinnen der Jürgen Ponto-Stiftung waren, sind stark konzeptuell angelegt, entfalten jedoch mit zunehmender Annäherung sowohl eine analy­tische als auch eine narrative Wirkung.
Die Arbeiten von Heide Nord sind dabei zu­nächst leichter zugänglich. Die in Leipzig lebende Künstlerin zeigt insgesamt fünf Installationen. Oft stehen sie in Beziehung mit Leben und Werk berühmter historischer Personen. So widmet sie einer Reihe von russischen Theoretiker/- und Künstler/innen einen eigenen Porträtzyklus. Er zeigt Personen wie Konstantin Ciolkovskij, Nikolaj Fedorov oder Nadeschda Udalzova. Diesen ist gemeinsam, dass sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Russland bzw. in der Sowjetunion verschiedenen utopistischen Strömungen folgten, die
aus unserer heutigen Perspektive nahezu verrückt anmuten. Zu ihnen gehören die Auffassungen der Biokosmisten, die durch die Abschaffung des biologischen Todes der Menschheit eine zivilisatorische Allmacht bescheren wollten. Heide Nord formuliert in ihrem Zyklus die Gefährlichkeit und gleichzeitig auch Lächerlichkeit dieser radikalen Utopie. Im Grunde aber fussen auch die Ideen der Biokosmisten in dem Denken, durch technisches Vermögen natürliche Beschränkungen zu überwinden. Eine Idee, die seit der Moderne zur etablierten gesellschaftlichen Meinung gehört. Normalität und Störung - Heide Nord greift diese beiden Gegensätze in den Porträts auf, indem sie die gegenständlich gemalten Gesichter der Abgebildeten durch abstrakte Strukturen regelrecht attackiert.
Die in Amsterdam lebende Falke Pisano zeigt eine Weiterentwicklung der Installation «Figures of Speech», die sie 2009 zur Biennale in Venedig präsentierte. Wir sehen drei Werkgruppen, die jeweils aus flachen, geometrischen Elementen, aus einem Metallgestell und beweglichen Schautafeln bestehen. Sie behandeln rezeptionsästhetische Bedingungen der Kunst, indem sie unterschiedliche Wahrnehmungs- und Kommunikationsmodelle in Wort und Bild aufnehmen. In Auszügen lesen wir auf den Tafeln Teile eines Vortrags von Falke Pisano, in dem sie auf die komplexen Wirkmechanismen zwischen Betrachter, Kunstwerk und Künstler eingeht. In der Betrachtung dieser Installation spiegeln wir also genau das, was die Texte und auch was die Bodenskulptur an analytischem Input gibt. Der Betrachter wird so Teil der Arbeit, sowohl als ihr Skeptiker als auch als ihr Befürworter.

Bis: 13.06.2010



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Ausgabe 6  2010
Ausstellungen Heide Nord, Falke Pisano [17.04.10-13.06.10]
Institutionen Altes Hauptzollamt [Frankfurt/M/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Heide Nord
Künstler/in Falke Pisano
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