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6.2010




Lausanne : Nalini Malani - Splitting the Other


von: Madeleine Amsler

  
Nalini Malani · Splitting the Other, 2007 (14. Platte), Acrylfarbe, Tinte und Email auf Acrylblatt, 203,5 x 103,5 cm


In ihrer bisher umfangreichsten Retrospektive in Europa koloriert die bekannte indische Künstlerin mit ihren Arbeiten die Räume des Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne. Man taucht in ihre Malereien, Wandbilder, Videos und Installationen ein. Die auf den ersten Blick vermeintlich kunterbunte frohe Welt verliert jedoch ihre oberflächliche Unbeschwertheit, wenn man sich den Werken nähert und die Bildinhalte genauer betrachtet. Nalini Malani (*1946, Karatschi) stammt aus dem Landabschnitt, woraus 1947 Pakistan entstand. Ihre Familie floh im selben Jahr von Karatschi nach Bombay, wo die Künstlerin noch immer lebt und arbeitet. Die fulminante Serie «Splitting the Other», 2007, im zweiten Saal der Ausstellung, ist titelgebend für die Ausstellung. Auf 14 hochformatigen Acrylplatten, gehängt in zwei Reihen, tummeln sich menschliche Formen, Engel, Tiere, Innereien wie Hirne und Nabelschnüre, Knochen oder aber Embryos - Elemente, die häufig in den Werken Malanis vorkommen. Zu ihnen gesellen sich mythologische Figuren aus diversen Kulturen in unterschiedlichen Formationen: so zum Beispiel Sita, Kassandra oder Medea. Immer miteinbezogen sind Reflexionen über den Krieg, Kritik an religiösem Fanatismus, die Auswirkungen des Kapitalismus und die Zerstörung der Natur durch die menschliche Hand. Autoren wie Christa Wolf, Heiner Müller oder Bertolt Brecht stellen eine wichtige Inspirationsquelle dar, dies lässt sich bei mehreren Arbeiten beobachten. Beispielsweise stellen Malanis Versionen der Medea - «Medea I» und «Medea II», beide 2006 - ihre bildnerische Version von Christa Wolfs Interpretation der griechischen Frauenfigur dar: eine Medea, die für alles Schlechte verantwortlich gemacht wird und alles auf sich nimmt. Die indische Künstlerin malt sie als zwei nackte, entstellte Frauenfiguren, die mit gespreizten Beinen und erhobenen Händen reglos ins Leere starren, jedoch ohne dass sie ihre starke Präsenz dabei verlieren würden. Durch den Titel sind sie als mythologische Figuren identifizierbar. Sie könnten jedoch genauso gut aus der heutigen Zeit stammen,
was zu einer Reflexion über die Stellung der Frau im Allgemeinen anregt. Die Vermischung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, lokaler und globaler Thematiken wird von Malani gekonnt in Geschichten verwoben.

Bis: 06.06.2010



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Ausgabe 6  2010
Ausstellungen Nalani Malani [20.03.10-06.06.10]
Institutionen Musée Cantonal des Beaux-Arts Lausanne [Lausanne/Schweiz]
Autor/in Madeleine Amsler
Künstler/in Nalani Malani
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