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6.2010




Zürich : Giacomo Santiago Rogado


von: Dominique von Burg

  
links: Giacomo Santiago Rogado · Aesculap, 2010, Acryl auf Leinwand, 100 x 80 cm
rechts: Giacomo Santiago Rogado · Ausstellungs­ansicht, Galerie Mark Müller, Zürich


Was soll man zu einer Malerei sagen, die op-artige und geometrische Farbvariationen Bildern entgegensetzt, die sich an eine akademische Tradition anlehnen? Ein blosses Spiel? Verunsicherung? Ein Suchen nach einer eigenen visuellen Sprache?
Der letztjährige Manor-Preisträger Giacomo Santiago Rogado (*1979, Luzern) zeigte im Kunstmuseum Luzern grossformatige Werkgruppen, mit ornamentalen Mustern auf roh belassener Leinwand. Mit subtil orchestrierten Farbverläufe spielt der Maler mit Rückbezügen, die ebenso an Victor Vasarely, Bridget Riley wie auch an Vorläufer aus der Bauhaus-Zeit erinnern und scheut sich nicht, gleichzeitig beinahe fotorealistische Details einzubauen. Mit sich gegenseitig überlagernden Farbverläufen setzt er in wandfüllenden Formaten
die Bildfläche in Bewegung, lässt Farbbänder nach vorne treten - und dann unvermittelt wieder verschwinden.
In einigen Gemälden durchbricht er mit figürlichen Elementen die abstrakten Muster und evoziert geschickt nostalgische Momente. So tauchen in einzelnen Bildtafeln elegante Frauenfiguren auf, die wirken, als seien einem Modejournal aus den Fünzigerjahren entsprungen, aus einer Zeit, als die Fotografie noch schwarzweiss oder sepiabraun war.
In den Galerieräumen bei Mark Müller hängen nun vertikal gerasterte mäandrierende Streifenkompositionen in rhythmischer Präzision. Zuweilen beginnt die Statik der Bildstruktur sich aufzulösen und die Bildoberfläche visuell zu vibrieren, oder abstrahierte Blätter scheinen über den Kompositionen zu schweben. Daneben trifft man auf den Ausschnitt eines nackten, in akademischem Duktus gehaltenen Frauentorsos, «Tener», 2010, der von einer ins Bildgeviert reichenden Hand am Oberarm berührt wird. In schwarzer Farbe sind die Begriffe «Tangere», «Genuflectere», «Remanere» und «Praesens» auf die mit Leinwand bezogenen Bildtafeln gemalt und zu einer Abfolge zusammengebracht. Über den Bezug zum Ausstellungstitel «präsens et tangere» kann man gerne rätseln, jedoch sind die Rückbezüge auf die Kunstgeschichte evident; und so bewegt
sich Rogado entlang des aktuellen internationalen Malereidiskurses und lotet die malerischen Möglichkeiten aus. Dabei darf man gespannt sein, wohin Rogados malerische Reise führt.

Bis: 05.06.2010



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Ausgabe 6  2010
Ausstellungen Giacomo Santiago Rogado [16.04.10-05.06.10]
Institutionen Galerie Mark Müller [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Giacomo Santiago Rogado
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