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Besprechung
7/8.2010


Isabel Fluri : Athene Galiziadis :  Hans Stalder und Athene Galiciadis bespielen je eine Etage des Kunsthauses Langenthal. Muster und Strukturen, die sich in verschiedenen Bildkontexten oder diversen Medien wiederholen, bilden das gemeinsame Moment zweier im Grunde sehr unterschiedlicher künstlerischer Ansätze.


Langenthal : Hans Stalder und Athene Galiciadis


  
links: Hans Stalder · Pensée, 2006, Öl auf Baumwolle, 90 x 80 cm
rechts: Athene Galiciadis · Wir wollen flammen in Flammen, 2009, Acryl auf MDF, Holz, Zement, 90 x 112 x 112 cm. Courtesy Galerie Claudia Groeflin


«Einfache und schöne Bilder» lautet der ironisch anmutende Titel einer Retrospektive des in Bern und Burgdorf tätigen Malers Hans Stalder (*1957). Sein Werk wurde gelegentlich mit «Pop-Art» apostrophiert - und dies gewiss nicht allein deshalb, weil sein Schaffen durch die Albumcovers der Mundart-Folkpop-Combo Stiller Has einem grösseren Publikum bekannt sein dürfte: Es sind die plakativen und flächig aufgetragenen Farben, die an Comics erinnernden Umrisslinien sowie die trivialen, aus dem Bereich der Populärkultur geliehenen Motive, zu denen nebst Tags imitierenden Schriftzügen auch Signets und Logos gehören, die an die historische US-amerikanische Pop-Art gemahnen. In der Übersichtsschau zeigen sich Veränderungen und vor allem auch Kontinuitäten in Stalders Arbeiten der letzten rund zehn Jahre. Die eher klein- bis mittelformatigen Ölgemälde präsentieren immer wieder ähnliche Figuren und Figurationen. Nicht nur die Porträtserien stellen weniger Individuen, als vielmehr eine schier unendliche Varianz der Form- und Farbmuster vor; auch die über die ganze letzte Dekade entstandenen «Pensées», deren Name wie jener der ebenso vertretenen «Männertreu» und «Hahnenfuss» in aller Hintersinnigkeit registriert werden will, demonstrieren vor allem des Künstlers Arbeit an einer Form, die an die Blume, wie wir sie kennen, nur noch entfernt erinnert.
In der zweiten Etage des Kunsthauses trifft man bereits im Entrée auf eine künstlerische Intervention: Athene Galiciadis (*1978) hat mit der Bodenintarsie «Nebelspiegelung» eine ortsspezifische Arbeit realisiert, die schon wesentliche Elemente der weiteren Exponate vorstellt. In den kabinettartigen Räumen finden sich skulpturale Werke, kleinformatige Farbstiftzeichnungen und Malereien sowie eine All-over-Wandmalerei, die in Kombination mit grossen Farbstiftzeichnungen und einer Skulptur ein «Gesamtkunstwerk» von fast schon barockem Gepräge bildet. Allen Werken gemeinsam ist die unmissverständlich manuelle Ausführung, die zu den klaren geometrischen Formen in eigentümlichem Kontrast steht. Während Hans Stalders Kunst die Variation und Wanderung von Formen innerhalb eines Mediums vorführt, zeigen Athene Galiciadis' Arbeiten auf immer anderen Oberflächen ähnliche Strukturen - namentlich die Dreieck- und Rechteckform und eine bestimmte, reduzierte Farbigkeit - wobei diese Vielfalt sich auch innerhalb eines einzelnen Werks in der Schichtung verschiedener Materialien und Lasuren offenbart.

Bis: 11.07.2010


«Hans Stalder. Einfache und schöne Bilder», Christoph Merian Verlag, Basel 2010 (erscheint im Oktober)



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Ausgabe 7/8  2010
Ausstellungen Athene Galiciadis, Hans Stalder [20.05.10-11.07.10]
Autor/in Isabel Fluri
Autor/in Athene Galiziadis
Künstler/in Hans Stalder
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