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7/8.2010




Arnsberg : Julieta Aranda und Anton Vidokle


von: Cynthia Krell

  
links: Julieta Aranda · ...would like to start from the beginning (the art of heroic machines), 2009, C-Print aufgezogen auf Aluminium
rechts: Anton Vidokle · New York Conversations, 2010, 16-mm-Film auf Video, 60:06', s/w, Ton


Der Kunstverein Arnsberg zeigt in zwei Einzelpräsentationen neue Arbeiten der Künstler und e-flux-Organisatoren Julieta Aranda und Anton Vidokle. Die in Berlin lebende mexikanische Künstlerin Julieta Aranda (*1975) geht von dem Inselstaat Kiribati aus, der bis Ende 1994 durch die international festgelegte Datumsgrenze geteilt war. Das Ergebnis einer Reise dorthin präsentiert sie nun als mehrteilige Werkgruppe. So zeigt die Farbfotografie «... would like to start from the beginning (the art of heroic machines)», 2009, ein gestrandetes Militärschiff vor tropischer Idylle. Die Inselgruppe ist bis heute von den Folgen zahlreicher Atombombentests und militärischer Auseinandersetzungen gezeichnet. Eine am Strand gefundene 16-mm-Kamera mit einem unentwickelten Film dient der Künstlerin als Ausgangspunkt für zwei Arbeiten: eine zweiteilige Papierarbeit mit dem Titel «Flecktarn», 2010, und ein auf eine Lichtbildwand projizierter 16-mm-Film «If you tell the story well, it will not have been a comedy», 2010, welcher aufgrund seiner Ästhetik an Materialfilme der Sechzigerjahre erinnert. Das Objet trouvé funktioniert wie eine Zeitkapsel, welche die Spuren der Vergangenheit in bewegte Farbbilder übersetzt. Aranda lädt uns ein, über die historische, politische wie kulturelle Dimension und Konstruktion von Zeit zu reflektieren.
Parallel wird der Video-Essay «New York Conversations», 2010, von Anton Vidokle (*1965) gezeigt. Das Video, gedreht auf 16-mm-Film, dokumentiert eine dreitägige Veranstaltung in einem Ladenlokal in der Lower East Side, wo 2008 intensive Gespräche zwischen Künstlern, Kritikern und Kuratoren stattfanden. Initiiert wurde das Projekt, neben Vidokle, von den Künstlern Rirkrit Tiravanija und Nico Dockx, die auf eine Einladung des Magazins «A Prior» reagierten. Der knapp einstündige Film ist das Ergebnis einer subjektiven Zusammenstellung dieser Gespräche, die sich um das Prekäre, das Immaterielle und die «Kunst der Konversation» drehen. Durch die Schwarzweiss-Ästhetik und subjektiv geführte Handkamera erinnert die Filmarbeit an Gordon Matta-Clarks 16-mm-Film «Food», 1972, und wird zur Hommage und einem nostalgischen Re-Enactment des gleichnamigen Projekts. «New York Conversations» verdeutlicht somit Vidokles Ansatz, die Kunst als organisatorisches Postulat zu verstehen, das als soziales Netzwerk ständig selbst offenbart, wie es funktioniert.

Bis: 11.07.2010



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Ausgabe 7/8  2010
Ausstellungen Julieta Aranda, Anton Vidokle [28.05.10-11.07.10]
Institutionen Kunstverein Arnsberg [Arnsberg/Deutschland]
Autor/in Cynthia Krell
Künstler/in Julieta Aranda
Künstler/in Anton Vidokle
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