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7/8.2010




Wien : Tactics of Invisibility


von: Patricia Grzonka

  
links: Füsun Onur · Dream of Old Furniture, 1985, Mixed-Media Installation, Dimensionen variabel. Foto: Michael Strasser
rechts: Nasan Tur · Invisible, 2004, 10-Kanal-Video­installation, Metallgerüst. Foto: Michael Strasser


Kunstproduktionen lassen sich heute kaum mehr unter einem vereinheitlichenden Nationendiskurs subsumieren, zu divers und zu fortgeschritten sind Debatten ueber Identitaet, Differenz und gesellschaftspolitische Strukturen. Dennoch existiert das Beduerfnis, Eigenheiten staatlicher Formierungen jenseits verbrauchter Nationenklischees in der Kunst zu hinterfragen, die sich nicht ohne geopolitische Bestimmungen erklaeren und beschreiben lassen. Vor diesem Hintergrund ist auch eine Ausstellung wie "Tactics of Invisibility. Zeitgenoessische kuenstlerische Positionen aus der Tuerkei" in der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary zu verstehen: Die Festschreibung einer nationalen Identitaet wird hier mit der Uneinheitlichkeit und Diversitaet kuenstlerischer Produktionen und Strategien durchkreuzt und aufgebrochen. Die 15 Kuenstler und Kuenstlerinnen zeigen dabei Arbeiten, die sich mit den Paradoxien des Nichtsichtbaren oder des Absenten beschaeftigen. In Kutlu'g Atamans sechsteiliger Videoinstallation "Twelve" erzaehlen sechs Personen von Erfahrungen mit Reinkarnation und Seelenwanderung sowie von Verletzungen, die (auf der sichtbaren Oberflaeche zumindest) laengst verheilt sind. Im jahrhundertealten Dachstock in der TBA21 erhalten diese Evokationen des Nicht-Darstellbaren denn auch eine punktuell realere Praesenz als ueblich. In den Hauptraeumen der Galerie folgen Arbeiten, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Verborgenen auseinandersetzen: In Hale Tengers ephemerer Ventilatoreninstallation taucht immer wieder ein unheimlich-befremdlicher Satz an die Wand projiziert auf, in Nevin Alada'gs Video werden vom Kuenstler selbst verschiedene Stimmen aus Kunstgespraechen imitiert. Ay,se Erkmens ortsspezifische akustische Installation vermag in diesem Kontext wenig zu ueberzeugen, zu bemueht konstruiert ist der Zusammenhang zwischen Beethoven, einer ehemaligen Bewohnerin des Ausstellungspalais, einem Musikstueck und einem Geistermaedchen. Dagegen liegt in einer scheinbar lapidaren Videowand von Nasan Tur mit zehn "verkleideten" islamischen Gebetshaeusern in Deutschland, die auf eine beinahe klandestine Religionspraxis verweisen, viel Imaginationspotenzial. Zu den Highlights der Schau zaehlen jedoch auch die etwas aelteren Arbeiten von Fuesun Onur und Sarkis: in beiden Faellen Objekte, die in ihrer Fragilitaet und Raetselhaftigkeit in sich geschlossene und konsistente Behauptungen des Unsichtbaren mit einschliessen.

Bis: 11.09.2010


TANAS, Berlin, 11.9.-27.11.



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Ausgabe 7/8  2010
Ausstellungen Tactics of Invisibility [16.04.10-15.08.10]
Institutionen TBA 21 Thyssen-Bornemisza Art Contemporary [Wien/Österreich]
Institutionen Tanas/Raum f. zeitgen. türkische Kunst [Berlin/Deutschland]
Autor/in Patricia Grzonka
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