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Artists in Residence
9.2010




Richard Höglund mit Nummer 20


  
Richard Höglund · Un désir qui naît de la joie/un désir qui naît de la tristesse, Performance, 2010


Eingebettet in einen Park unweit des Zen­-trums von Genf in der Gemeinde Lancy ragt ein rötliches Gebäude in den Himmel: die Villa Bernasconi. Sie wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut und war lange in Privatbesitz bis die Behörden von Lancy sie 1991 kauften, um sie der Öffentlichkeit zugängig zu machen.
Die Aktivität des Hauses könnte am treffendsten mit der eines kleinen pluridisziplinären Kulturzentrums verglichen werden: Nebst Kunstausstellungen finden Lesungen zeitgenössischer Autoren statt oder Kinderbuchillustrationen werden einem breiteren Publikum vorgestellt. Zudem ist die Villa einer der wenigen Orte, der seine Türen regelmässig der Comicwelt öffnet. Das jährliche Festival «Mai au parc» bietet während einem Wochenende ein buntes Potpourri aus Musik, Theater, Tanz und den plastischen Künsten an.
Seit 1999 wird die Villa im Sommer jeweils zur Künstlerresidenz. In einem der Ausstellungs­räume ihrer Wahl können die Gäste ihr Nachtlager aufschlagen. Die Wahl der Kulturschaffenden unterschiedlicher Sparten erfolgt aufgrund eines zuvor eingereichten Dossiers. Sichtbar gemacht wird der Aufenthalt entweder mit einer Präsentation eines «work in progress», mit einem öffentlichen Workshop oder mit einer Ausstellung.
Dieses Jahr bewohnt der amerikanische Künstler Richard Höglund (*1982) die Villa Bernasconi. Während seines zweiten Aufenthalts in der Schweiz wird er eine Arbeit in situ realisieren. Diese ist Teil eines auf mehrere Jahre angelegten Projektes mit dem Titel «The true definition of man does not involve any consideration of the numer 20», in dem Höglund dem Ursprung der Bedeutung nachgeht. Texte, Druckgrafiken, Gemälde oder historische Schriften können als Quelle dienen. Auf die Herkunft des bearbeiteten Materials wird jeweils in den Fussnoten hingewiesen, um die Deutung der extrahierten Elemente zu erleichtern. Die Zeichnung ist eine wichtige erste Etappe und steht im Zentrum der Arbeit von Höglund, der das Medium als einen methodologischen Testgrund bezeichnet. Von da aus tobt sich Höglund in Videos, Performance, Fotografie, Texten und auch Installationen aus. Nebst der Ausstellung hat der Künstler eine «Gruppenperformance» in Form eines Wett­rennens vorgesehen, welche während der Vernissage am 2. September stattfinden wird. Unter dem Motto «Un désir qui naît de la joie /un désir qui naît de la tristesse» legen zwanzig Läufer/innen mit der Nummer 20 auf dem ­Rücken den Weg vom Mamco zur Villa ­Bernasconi zurück. Bleibt zu hoffen, dass sie von einem grossen Publikum längs der Strecke angefeuert werden.


Dieser Text erscheint mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, ­Schwer- punkt Übersetzungsförderung «Moving Words».

English Version



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Ausgabe 9  2010
Ausstellungen Richard Höglund [02.09.10-03.10.10]
Institutionen Villa Bernasconi [Genève/Schweiz]
Autor/in Madeleine Amsler
Künstler/in Richard Höglund
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