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Besprechung
9.2010


Ursula Badrutt Schoch :  Wenn alle weg sind, erklärt sie dem müden Hasen die Ausstellung. Das Schaffen von Cosima von Bonin (*1962) ist anspielungsreich und alles andere als schlaff, wie der Titel und die Tiere suggerieren mögen. Im Kunsthaus Bregenz hat sie ihre bisher grösste Einzelausstellung eingerichtet.


Bregenz : Cosima von Bonin, «The Fatigue Empire»


  
Cosima von Bonin · Ausstellungsansicht 2. OG, Kunsthaus Bregenz, 2010 © Kunsthaus Bregenz. Foto: Markus Tretter


Es beginnt mit dem Titel: Erst werden Erwartungen geweckt, um sie dann gegenläufig und mit ironischem Humor zu unterlaufen. Einmal mehr entzieht sich die Künstlerin, die zuletzt mit dem gelungenen Auftritt an der documenta 12 in Kassel 2007 breit von sich reden machte, - zumindest vordergründig. «Ich habe keinerlei Hintergedanken mit meiner Arbeit. Ich bin nicht politisch, ich verkünde keine Botschaften, und Frauenkunst gibt es für mich nicht.» So hat sie einmal allen Deutungsvermutungen den Wind aus den Segeln genommen. Und auch in Bregenz nachgedoppelt: «Hört nicht auf Kuratoren, schaut euch die Arbeit an!» In der Tat: Das müde Reich regt an, beglückt, amüsiert. Von Erschlaffen keine Spur.
«The Fatigue Empire» im obersten Stockwerk ist bequem mit dem Lift zu erreichen, denn wir sind ja müde. Ein paar Podeste werden zum Bühnen-Floss mit Technik. Darunter versteckt sich der Whisky. Ziemlich mitgenommen hängt das Getier im Raum rum. Das Kücken hat sich übergeben, der Hase liegt auf dem Schragen, und auch Hund und Hummer lungern. Doch sie sind alle nicht untätig, nein, denn sie sind die Kreativen dieser Welt. Sie lauschen der Musik, die Moritz von Oswald speziell für jedes einzelne Werk komponiert hat. Denn wie auch für frühere Ausstellungen hat Cosima von Bonin Verstärkung geholt. Daraus entwickelt sie zudem ein ausgedehntes Rahmenprogramm inklusive einer Filmreihe mit Thomas Bernhard.
Obwohl sich keine eindeutigen Übersetzungen liefern lassen, funktioniert «The Fatigue Empire» nicht nur aus dem dichten Echoraum der Kunst bis hin zu Dada und mehr, sondern auch und vor allem aus einer individuellen, sinnlichen Lesart und bis hinein in formale Details.
Noch näher als der ernste Beuys ist Martin Kippenberger. In «Zweite Etage/aka The Kippy Empire» hat sich die Strassenleuchte aufgerichtet, das männliche Auto Marke Toyota Pick-up ist in Karostoff und Karton nachgebildet.
Da ist nichts, gibt Cosima von Bonin in den «Lappen», ihren Stoffbildern, die vor allem den ersten Stock belegen, wiederholt zu verstehen. Das Publikum hat sich mit der Bild- und Zeichensprache zu begnügen - und vergnügen.
Mit «The Fatigue Empire» und dem gelungen dazugestellten Auftritt von raumlaborberlin («Bye Bye Utopia») im Erdgeschoss ist dem neuen Kunsthaus-Direktor Yilmaz Dziewior der Start seiner mit den Stichworten «experimentell» und «interdisziplinär» abgesteckten Ausstellungstätigkeit sehr gelungen.

Bis: 03.10.2010



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Ausgabe 9  2010
Ausstellungen Cosima von Bonin [18.07.10-03.10.10]
Institutionen Kunsthaus Bregenz [Bregenz/Österreich]
Autor/in Ursula Badrutt Schoch
Künstler/in Cosima von Bonin
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