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Besprechung
10.2010


Isabel Fluri :  Verschiedene Jubiläen - 150 Jahre Aargauer Kunstverein, 50 Jahre Kunsthaus und 15 Jahre Kunstvermittlung - bieten dem Aargauer Kunsthaus Anlass zu zwei grossen, sehr sehenswerten und anregenden Ausstellungen, welche die Reflexion der Zeit bereits in ihren Titeln tragen.


Aarau : «Yesterday will be better» und «tempi passati»


  
Hans-Peter Feldmann · Mädchen mit Schatten, s/w Fotografie, ausgeschnitten, 94 x 62,5 cm © ProLitteris. Courtesy Galerie Francesca Pia, Zürich


Im Erd- und Untergeschoss des Kunsthauses praesentiert sich die von der Direktorin Madeleine Schuppli kuratierte thematische Gruppenausstellung "Yesterday will be better". Unter dem George Brecht entliehenen Motto versammeln sich unterschiedlichste Arbeiten von ueber dreissig Kuenstlerinnen und Kuenstlern. Neben der "List of Names" von Douglas Gordon, einer alphabetischen Auflistung der Namen aller Menschen, denen der Kuenstler gemaess seiner Erinnerung bisher begegnet ist, fasziniert beispielsweise die (Sisyphus-)Arbeit "Proyecto para un memorial" von /iscar Munoz: Ueber Videoprojektionen verfolgt man das Entstehen und Verschwinden von mit lediglich gewaessertem Pinsel gemalten Totenportraets auf heissem Stein - beruehrende Sinnbilder fuer ein Erinnern als ausdrueckliche Aktivitaet. Ansonsten ueberzeugen vor allem jene Werke, die sich vom Thema der Ausstellung - der Verquickung des Vergangenen mit dem Zukuenftigen, des Erinnerten mit dem Utopischen, Denkbaren - ganz beilaeufig emanzipieren. Dazu gehoeren etwa Andres Lutz' & Anders Guggisbergs wunderbare Installation "Ich sah die Wahrheit" oder Manon Bellets poetische Videoprojektion "Vestige", in welcher die geknickten, fast durchsichtigen weissen Seiten eines aufgeschlagenen Buches von einem zarten Lueftchen bewegt werden.
"tempi passati. Kunst- und Museumsgeschichten" heisst die Sammlungsschau, welche die hauseigenen Werkbestaende im Verbund mit historischen Dokumenten praesentiert. Sie zeichnet nicht bloss die Historie des Aargauer Kunstvereins und jene des Hauses nach, sondern visualisiert darueber hinaus exemplarisch die Veraenderung des Umgangs mit Kunst seit der Etablierung der Kunstvereine in der Schweiz bis heute. Obwohl diese Geschichte primaer atmosphaerisch-visuell vermittelt wird, droht das Didaktische das Aesthetische bisweilen zu "uebertoenen". Dies ist allerdings weniger der vom langjaehrigen Sammlungskonservator Stephan Kunz und seinem Gastkurator Christoph Gossweiler mit grosser Sorgfalt konzipierten Ausstellung anzulasten, sondern verweist auf eine grundsaetzliche Schwierigkeit, mit welcher wohl jede historisch ausgerichtete Ausstellung konfrontiert ist.

Bis: 07.11.2010


"tempi passati. Kunst- und Museumsgeschichten"; "Yesterday Will Be Better. Mit der Erinnerung in die Zukunft", Katalog, Kerber Verlag



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Ausgabe 10  2010
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Autor/in Isabel Fluri
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