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Besprechung
11.2010


Ursula Badrutt Schoch :  In der frisch umgebauten Lokremise, dem neuen Kulturzentrum in St.Gallen, treffen das Programmkino und Tanz/Theater auf Kunst. Das Kunstmuseum hat dieses zusätzliche programmatische Standbein für die Eröffnungsausstellung John M. Armleder zur Verfügung gestellt. Das leuchtet ein.


St. Gallen : John M.Armleder leuchtet ein


  
John Armleder · Diatom 2005 und Waste 2008, Ausstellungsansicht Lokremise


Mit verheissungsvollen Lichtern und bunt gefüllten Gestellen lockt die Kunstzone der Lokremise Vorübergehende ins Innere. John M. Armleders Kunst besetzt auch die Rückwand der Bar im offenen Entree, «Rhizostomeae» heisst sie dort, Reihen von verspiegelten Halbkugeln, welche die Welt der Lok und ihr Publikum in sich reflektieren. Das Reflektieren geht in Prismen weiter mit «Diatom» von 2005, dem Jahr der Wasserbiologie-Titel bei Armleder.
Der Wechsel zwischen offener Architektur und den Einbauten des Genter Architekturbüros Robbrecht en Daem hatte bis 2004 die Präsentation der Sammlung Hauser und Wirth geprägt, bevor der Kanton St.Gallen die Remise übernahm. Das Verschlungene hat mit den Eingriffen der Architekten Stürm und Wolf grossstädtischer Behauptung in Form grosszügiger Räumlichkeiten Platz gemacht. Statt Charme von Zwischenraum wird Selbstbewusstsein an den Tag gelegt.
Mit John M. Armleder zu starten, leuchtet doppelt, ja dreifach ein. Es beruht auf einer pragmatischen Entscheidung des Kunstmuseums, mit einem Künstler zu beginnen, der im Stegreif einrichtet und sich selber zu kuratieren weiss. «Ich denke sehr genau über ein Projekt nach und verwirkliche dann ein ganz anderes», so Armleder.
In scheinbarer Beiläufigkeit greift er ein Thema der Kunst auf, das zugleich ihre Grundbedingung ist: das Licht. Es geht darum, Dinge, aber auch Bedingungen sichtbar zu machen. Armleders Akkumulationen von nonchalant auf dem Boden ausgelegten Neonröhren wissen um das Werk von Dan Flavin und Lucio Fontana, sind aber neu gedacht. Es sind alles ältere Arbeiten, entstanden zwischen 1998 und 2008, die den neuen Raum einleuchten. Eine Krankheit und langwierige Genesungsprozesse haben, so drückt es der Künstler aus, ihn «auf einem anderen Planeten» festgehalten. Umso intensiver strahlt nun seine Ausstellung. Offenheit, Humor und Lebenslust verströmen «Goldfish» und eine «Furniture Sculpture» von 2007, die unschwer als Katzenturm zu erkennen ist und in Kombination mit dem assoziativ als Goldfisch bezeichneten transparent-orangen Schlagzeug auf Leuchtpodest dem Publikum Geschichten entlockt.
In «Ascomycetes» (Schlauchpilze) wuchert Künstliches und Natürliches, Fiktives und Reales unterschiedslos neben- und übereinander. Man denkt an Gewächshaus und sein Gegenteil, den Friedhof. Für den Künstler ist es einfach eine Wand aus Plexiglas. Den Rest überlässt er uns.

Bis: 07.11.2010



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Ausgabe 11  2010
Ausstellungen John M Armleder [12.09.10-07.11.10]
Institutionen Kunstmuseum St. Gallen – Lokremise [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Ursula Badrutt Schoch
Künstler/in John M Armleder
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