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Besprechung
11.2010


Isabel Friedli :  Das «Theater der Jäger», welches der portugiesische Künstler Pedro Barateiro in der Kunsthalle Basel aufgebaut hat, erinnert stark an Antonin Artauds «Theater der Grausamkeit»: Die visuelle Sprache ist verknappt, oft fehlt eine evidente Verbindung mit den Objekten und Installationen.


Basel : Pedro Barateiro, «Theatre of Hunters»


  
links: Pedro Barateiro Work Table/ Game Table n 4, 2010, 160 x 180 cm, Metallstruktur, Glas, 119 goldfarbene Graphitbleistifte aus Eichenholz. Foto: Serge Hasenbhler
rechts: Pedro Barateiro Voz (Stimme), 2010, Video, Betacam bertragen auf DVD/Video, 24 Loop


Wie durch ein Rätsel auf der Suche nach Entzifferung tappt der Besucher durch eine Raumabfolge, die als eine Reihe von Ködern ausgelegt ist. «Four Scenarios for the same Play», 2010, heisst das Setting des Gastauftritts im ersten Raum, worin die Künstlerin Ana Jotta (*1946) auf Einladung von Pedro Barateiro (*1979) vier an gemalte Bühnenbilder erinnernde Kohlezeichnungen platziert hat. Im anschliessenden Raum sind 19 Skulpturen verteilt, die wie Platzhalter auf den Beginn einer Vorstellung warten. Die Überschrift der Installation, «The Audience», 2010, vermittelt das Gefühl einer geschlossenen Zuschauerschaft eines fehlenden Theaters, das durch Dekonstruktion längst abgetragen wurde. Individuelle Titel wie «The Indifferent Specator» oder «Endgame (Fin de Partie)» verstärken den Eindruck der Mortifizierung.
Die Anordnung von «The Theatre of Hunters» führt zwar die Assoziationsräume der Anthropologie und des Theaters eng zusammen, will aber nicht den Kurzschluss dramatischer Inszenierungsformen mit visuellen Displays nahelegen. Vielmehr öffnet sich in der Annäherung ein schmaler Zwischenraum, der zum Eintreten einlädt. Schliesslich dämmert einem, dass es die Mechanismen im Kopf des Betrachters sind, die beleuchtet werden sollen, dass es um die Rolle des Zuschauers geht. So im dritten Raum: Zwei Bildschirme stehen einander gegenüber, auf einem läuft eine kurze Sequenz, die das Gesicht der Schauspielerin Lia Gama zeigt. Ihre Mimik hat sich in einem Loop verfangen, der nicht zulässt, dass sie die Stimme tatsächlich zum Sprechen anhebt. Ihr Gegenüber ist die Archivaufnahme eines Auftritts von Mario Vegas, der das groteske dadaistische Gedicht «A cena do Odio» (Szene des Hasses) von José Almada Negreiros rezitiert. Die beiden Köpfe stehen einander gegenüber in einem endlosen unausgeglichenen Dialog, und der Betrachter gerät in diesen Blickwechsel wie zwischen zwei rätselhafte Sphingen.
Erhellend ist der Zwischenraum auch in der Installation der vier «Work Tables»: Auf vier Glastischen sind goldene Bleistifte so arrangiert, dass durch das Spotlicht ein Schattenbild auf den Fussboden geworfen wird. An die Wand projiziert ist die Aufnahme «The Mask of the Octopus Hunter» aus Edward Sheriff Curtis' Kompendium «The North Americans». Wand- und Bodenprojektion sind Schattentheater, in denen das Licht das eigentliche Geschehen zum Vorschein bringt.

Bis: 14.11.2010



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Ausgabe 11  2010
Ausstellungen Pedro Barateiro [12.09.10-14.11.10]
Institutionen Kunsthalle Basel [Basel/Schweiz]
Autor/in Isabel Friedli
Künstler/in Pedro Barateiro
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