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11.2010




Biel : Eva Leitolf, Deutsche Bilder/ En Filigrane


von: Alice Henkes

  
links: Eva Leitolf · Schöna, Sächsische Schweiz, 2006, aus: Deutsche Bilder - eine Spurensuche ©ProLitteris
rechts: Bérénice Mercier · aus: En Campagne, 2010


Hinterlassen Ereignisse sichtbare Spuren in Landschaften und Orten? Und lassen diese Spuren sich fotografisch festhalten? In einer Langzeitstudie hat die deutsche Künstlerin Eva Leitolf (*1966) zwischen 1992 und 2008 Tatorte fremdenfeindlicher Anschläge fotografiert. Ergänzend zu ihren «Deutschen Bildern», so der Titel der Serie, hat sie sorgsam recherchierte Texte zu Tathergang und Medienecho erstellt. So entsteht ein irritierender Kontrast aus Gewalttaten und Kleinstadtbehaglichkeit, denn die Fotografien der Orte zeigen scheinbar unverletzte Oberflächen. Traulich stehen die schmucken Fachwerkhäuser im sächsischen Schöna, einer Hochburg der rechtsradikalen NPD. Der Strand von Heringsdorf, an dem 2004 Urlauber aus Berlin von jungen Einheimischen angegriffen wurden, zeigt sich als maritimes Idyll mit Strandkörben.
Die Bieler Ausstellung kombiniert eine Auswahl dieser Aufnahmen mit Arbeiten von Studierenden der Fachhochschule für Fotografie Vevey (CEPV). Zehn Studenten haben sich in einem von Eva Leitolf geleiteten Workshop ebenfalls auf Spurensuche gemacht und versucht, Bedeutungen und Zeichen der Zeit im Raum mit fotografischen Mitteln zu fassen. Ihre Bilder präsentieren sie unter dem Titel «En Filigrane». Einige der studentischen Arbeiten fokussieren das persönliche Leben. So erkundet Alizé Hafner den elterlichen Dachboden und legt anhand ihrer Funde in Kisten und Schränken ein Familienarchiv an.
Mehr am sozialpolitisch interessierten Vorbild Eva Leitolfs orientiert, zeigen sich Arbeiten wie «Le projet Loup» von Filipe Borges, der mit seiner Kamera die Fährte des Wolfs im Wallis aufnimmt und damit auch ein in Medien und Öffentlichkeit heiss diskutiertes Thema aufgreift. Auf eine historische Spurensuche begibt sich Bérénice Mercier, die an der schweizerisch-französischen Grenze bei Vallorbe nach Relikten der Grenzsicherung im Zweiten Weltkrieg sucht und dabei auf die grösste Empfangsstelle für Asylbewerber der Schweiz stösst. Während aus dieser Überlappung historischer und gegenwärtiger Bedeutung beziehungsweise Nutzung des Ortes eine gewisse Bestimmung zu sprechen scheint, führt Antoine Bruy den Betrachter mit der Bildserie «Desire» in bunte und ein wenig kitschige Schlafzimmer, die gewiss nicht jedem auf den ersten Blick verraten, dass sie nicht Teil einer bürgerlichen Wohnung, sondern eines Bordells sind.

Bis: 21.11.2010



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Ausgabe 11  2010
Ausstellungen Eva Leitolf [10.10.10-21.11.10]
Institutionen Photoforum Pasquart [Biel/Bienne/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Eva Leitolf
Künstler/in Bérénice Mercier
Künstler/in Antoine Bruy
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