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11.2010




Zürich : Subodh Gupta


von: Dominique von Burg

  
links: Subodh Gupta · Fill, 2010, Marmor 151 x 162 x 140 cm, Foto: Stefan Altenburger Photography Zürich
rechts: Subodh Gupta · Ausstellungsansicht. Foto: Stefan Altenburger Photography Zürich


Hauser & Wirth eröffnet die neuen provisorischen Ausstellungsräume in den Hubertus Exhibitions mit einer Einzelausstellung von Subodh Gupta (*1964, Khagaul, Bihar). Damit wird der international renommierte, indische Künstler erstmals in der Schweiz präsentiert. Seine minimalistischen Arbeiten versteht er als Hommage an die einfachen Menschen Indiens. Er stellt ihre Welt mit Koch- und Essgeschirr aus Edelstahl dar. Für Gupta sind diese typisch indischen Alltagsgegenstände ein essentielles Motiv. Er arrangiert und gruppiert sie zu Installationen und Skulpturen, mit denen er berühmt geworden ist. Man denke nur an den 2007 auf der Biennale di Venezia gezeigten «Very Hungry God», einen riesigen, aus poliertem Edelstahlgeschirr zusammengesetzten Totenkopf. Abgesehen vom naheliegenden Vanitas-Symbol drückt die Skulptur Guptas Sprache im Umgang mit Nahrungsmitteln und alltäglichen Utensilien sowie ihrer Transformation in ikonische Symbole aus. Und ganz nebenbei unterwandert Gupta damit noch die Funktion des Readymade.
Das Stahlgeschirr hält er auch in Bildern fest. In der Serie der hier gezeigten «Cosmos»-Gemälde scheinen die Tassen, Teller, Töpfe, Löffel und Pfannen durch den Raum zu wirbeln, mal schwerelos dahin zu fliegen, mal zu vibrieren. In gewissen Bildern flimmern die Objekte so stark, dass es scheint, als würden sie sich in ein Spiel aus Licht und Metall auflösen. Während die Bilder die Gegenstände in einer stark ästhetisierten, abstrahierten Form zeigen, sind sie für die Inder von existenzieller Bedeutung. In dieser Hinsicht liest sich Guptas Kunst auch als soziopolitischer Kommentar. Die so falsch glänzenden Gebrauchsgegenstände sind eine Folge der Kolonialisierung, dienten doch zuvor Blätter von Bananenbäumen als Teller. Dominiert wird die Ausstellung von einem monumentalen Eimer und einem indischen gestapelten Essgeschirr (Tiffinbox) aus massivem, weissem Marmor. Damit spielt Gupta auf die neureiche Mittelschicht an, die mittlerweile ihre Umgebung mit Marmor zu verkleiden pflegt.
In den Galerieräumen kommen die Werke, die eine indische, vornehmlich von Smog, Dreck, unhygienischen Zuständen und Armut geprägte Welt zum Vorbild haben, allerdings ungeheuer ästhetisiert und stilisiert daher. Es scheint, dass sie mit der Ankunft auf einem hochklassigen Galerielevel einen desinfizierenden Prozess durchlaufen haben.

Bis: 13.11.2010



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Ausgabe 11  2010
Ausstellungen Subodh Gupta [25.09.10-13.11.10]
Institutionen Hauser & Wirth Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Subodh Gupta
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