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Besprechung
12.2010


Lucia Angela Cavegn :  Kaspar Müller erhielt als diesjähriger Gewinner des Manor-Kunstpreises die Möglichkeit, den grossen Ausstellungssaal des Museums zu Allerheiligen zu bespielen. Der in Zürich und Basel lebende Künstler zeigt neue Arbeiten, die den Reiz der (schönen) Oberfläche hintertreiben.


Schaffhausen : Kaspar Müller - Manor-Kunstpreis Schaffhausen 2010


  
Kaspar Müller · Ausstellungsaufnahme, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, 2010. Foto: Gunnar Meier


Anfang letzten Jahres bestritt Kaspar Müller (*1983, Schaffhausen) unter dem Titel "Bias" seine erste institutionelle Einzelausstellung im Kunsthaus Baselland und legte damit eine Fährte, die er nun in Schaffhausen wieder aufnimmt. Damals stand seine Installation "Trivial Pursuit" programmatisch für sein Interesse an banalen Motiven aus der Freizeit- und Unterhaltungskultur, die er als ästhetische Formel in den Kunstkontext überführt. So umkreist er Fragen nach Autorenschaft, Rezeption und Wertigkeit von Kunst.
Die von Marc Munter kuratierte Präsentation in Schaffhausen wirkt auf den ersten Blick verspielt, lustig und luftig. Alles hängt - nicht nur die Bilder, auch die raumgreifenden Objekte. Die von der Decke bzw. übereck baumelnden, überdimensionalen Glasperlenketten bilden mit ihrem farbig-dekorativen Lichtspiel einen seltsamen Kontrast zu den Schwarz-Weiss-Linolschnitten an den Wänden. Deren Motive entstammen der Welt des Comics und des Zeichentrickfilms, in der es bekanntlich bunt zu- und hergeht. Wie in einer Ahnengalerie passieren die Helden vergangener Kindheitstage Revue. Müller hat Mickey Mouse, Goofy, Garfield - und wie sie alle heis­-
sen - aus dem narrativen Zusammenhang herausgerissen und sie gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Thomas Julier als Einzelfiguren in Linolschnitt umgesetzt. Als wiedererkennbare Typen vermögen sie zwar Erinnerungen und Schmunzeln hervorrufen, doch auf ihre Form reduziert sind sie letztlich nur noch ein lebloser Abklatsch ihrer selbst. Durch die Vereinzelung der Figuren ist aus der unterhaltsamen Erzählung eine nivellierende Aufzählung geworden.
Die beiläufige Aneinanderreihung ähnlicher Dinge ohne wirklichen Sinnzusammenhang konstatiert man auch im Film "Colmar & Strasbourg". Die alten Stadtteile der beiden Städte sind beliebte Touristendestinationen; Historie wird hier als schöne Oberfläche aus der Sicht einer Grachtenrundfahrt vorgeführt. Die restaurierten Fassaden des touristischen Disneyland ziehen in gleichförmig-trägem Rhythmus am Betrachter vorbei, ohne dass man die dahinter steckende Geschichte erfährt. Der als Platzhalter einfügte Schauspieler mit Karnevalshut lässt sich als desinteressierter Mitläufer von der touristischen Masse und der Schaulust treiben. Auf die Dauer jedoch mündet die Belanglosigkeit in ermüdende Langweile. Und so gesehen ist Kaspar Müllers künstlerisches Statement durchaus ein kritisches.

Bis: 09.01.2011


Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Verlag für moderne Kunst Nürnberg



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Ausgabe 12  2010
Ausstellungen Manor Kunstpreis 2010. Kaspar Müller [29.10.10-09.01.11]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
Künstler/in Kaspar Müller
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