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Besprechung
12.2010


Ursula Badrutt Schoch :  Die Formate der Malerei von Peter Stoffel sind ein wenig kleiner geworden. Mit 2,5 Metern Höhe über drei Metern Breite aber weiterhin stattlich. Wo die Werke in einer Vielzahl auftreten, wie in der Zürcher Galerie Lange + Pult, potenzieren sich die Energien der Abgründe und Aufschwünge.


Zürich : Peter Stoffel, "Beauty came to us in stone"


  
Peter Stoffel, Elis, 2010, Öl auf Baumwolle, 250 x 210 cm


Es ist, wie auf einem Felsvorsprung zu stehen, noch etwas atemlos vom Aufstieg, und zeitgleich in die Tiefe, auf die Gebirge gegenüber und in den Himmel zu schauen. Auch auf das allseitige Lichtermeer im Dunkel der Nacht. Wer jetzt die Flügel ausbreiten kann, braucht keinen Halt mehr und ist der Frage nach Identität enthoben. Oder befinden wir uns auf dem offenen Meer und verlieren zunehmend das Gefühl für Oben und Unten, Nähe und Ferne? Ein Wohlgefühl kommt auf in der Ausstellung "Beauty came to us in stone", wie ein Rausch: Schwindel, Konzentration und Kontrollverlust in einem. Und dann folgt auch noch ein Schneesturm oder Virus und befällt das Bild, "Snow Crash II".
Manchmal, wenn die grossen Formate den Maler erschöpft haben, malt er Tiere, Wölfe, einen Drachen oder einen Schwan, um seine Landschaften zu bevölkern. Sie kommen in der Ausstellung "The moon, the king and the dust" bei Dezaal in Delft vor. In Zürich geht es in den vier Kleinformaten um die Geschichte der Schönheit, vom Urknall über den Urkristall, die Erosion der Felsen zum Fluss bis zum nach innen gerichteten Blick des Menschen in Form eines griechisch anmutenden Steinkopfes: ein Selbstporträt als Maler, vom Festen zum Flüssigen zur Luft.
Die Grossformate könnten auch abgeschliffene Steinplatten sein. Je nach Distanz zur Leinwand formt das Auge eine Topografie mit Falten und Löcher, Überschiebungen, Bruch- und Nahtstellen. Oder aber das Gefühl von Übersicht verliert sich im Detail, in moosigen Überwachsungen, Spritzern, Splittern, kristallinen Einschüssen.
Bei der Malerei sei es wie in der Geologie, sagt Stoffel. «Das Wichtigste liegt nicht an der Oberfläche, aber man sieht nur sie. Ich würde gerne mal Berge von unten sehen.» Die vielen Schichten lassen sich nur erahnen. Es ist ein Brodeln und Wogen, das dem Sichtbaren unterlegt ist und das Bild in Bewegung hält. Kunstgeografisch lassen sich die Malereien irgendwo zwischen gotischen Glasfenstern, barocker Deckenmalerei, blauem Reiter und Claude Monets All-over Bildern vermuten. Ein ziemlich wilder, unberührter Landstrich. Sie vibrieren vor Energie. «Ich denke in Bergen, die Landschaft hat mich organisiert», ist ein wichtiger Satz des im Appenzellerland aufgewachsenen Künstlers mit Walliser Wurzeln. Der perspektivische Raum ist aufgegeben zugunsten einer vielfältigen, immer wieder neu sich formierenden Landschaft. Der Panoramablick auf die Welt ist fragmentiert, ein zusammengenähter Flickenteppich aus Erinnerung.

Bis: 22.01.2011



Links

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Ausgabe 12  2010
Ausstellungen Peter Stoffel [31.10.10-12.12.10]
Ausstellungen Peter Stoffel, Malgorzata Szymankiewicz [16.10.10-22.01.11]
Institutionen Galerie Lange + Pult [Zürich/Schweiz]
Institutionen Galerie de Zaal [Delft/Niederlande]
Autor/in Ursula Badrutt Schoch
Künstler/in Peter Stoffel
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