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Hinweis
12.2010




Basel : Basel/Under Destruction


von: Yvonne Ziegler

  
links: Ariel Schlesinger · Bubble Machine, 2006, Private Collection, Slovenia
rechts: Johannes Vogel, Ohne Titel (Marmeladenbrotstreichmaschine), 2007


Tinguelys brachial kreative, atmosphärisch dichte Selbstzerstörungsmaschinerie von 1960 ist nahezu feinsinnigen Arbeiten heutiger Künstler gewichen. Die Sichtbarkeit des Räderwerks, die Absurdität der Apparatur, die Auslösung eines sinnlosen Zerstörungsprozesses durch Knopfdruck und die «Bastelästhetik» sind jedoch geblieben. Nur eben anders.
Ariel Schlesinger lässt beispielsweise mit Erdgas gefüllte Seifenblasen auf einem unter Strom stehenden Rost schweben, wo sie in Flammen aufgehen. Eine eigentlich sinnvolle Erfindung könnte die "Marmeladenbrotstreichmaschine" von Johannes Vogel sein. Das absurde Ungetüm löst weniger Nachdenken als amüsiertes Schmunzeln aus, bei Kindern gar begeistertes Jauchzen.
Manche Zerstörungsprozesse sind kaum sichtbar: Eine durchsichtige Kristallkugel wurde über den Boden ins Museum gerollt und ist nun dementsprechend ramponiert. Zwei "Muskel-Autos" duellieren sich, eine präzise Hydraulik drückt sie pro Tag drei Zentimeter weiter gegeneinander. Auf den Zustand am Ende der Ausstellung darf man gespannt sein. Ans Eingemachte ging Michael Landy, als er 2001 in der Aktion "Breakdown" sein gesamtes Hab und Gut in einem leeren Kaufhaus kategorisieren, registrieren und zerstören liess.
Zwei Arbeiten sind politisch brisant. Jimmie Durham «steinigte» 1996 einen Kühlschrank. Zehn Tage bewarf er den auf einem Platz stehenden "St. Frigo" jeweils eine Stunde lang mit Pflastersteinen. Das Ensemble aus Kühlschrank und grossformatigen Filmen, welche die assoziationsreiche Wurfaktion zeigen, lässt Raum für eigene Gedanken. Christian Marclay schleifte 2000 eine an einem Pick-up befestigte Elektrogitarre über Stock und Stein. Gedankliche Assoziationen an zu Tode geschleifte Menschen stellen sich ein und werden durch das schwankend aufgenommene Filmbild und die 93 Dezibel lauten schrillen Gitarrenklänge körperlich verstärkt.
Die Ausstellung zeigt auch Aspekte zerstörerischer Kunst auf, die mit der Dauer der Präsentation verbunden sind: Das Publikum zertritt zusehends die eigens dazu verlegten Bodenplatten von Monica Bonvicini, eine Abrissbirne schlägt auf Knopfdruck den Putz von den Wänden, ein Kinderzimmer wird im Hamsterrad zerbröselt. Ein 16-mm-Film, der das Durchbrennen eines 16-mm-Films zeigt, wird durch das ständige Abspielen zerstört, weshalb gleich 15 Kopien mitgeliefert wurden. Am Ende sprüht eine zerschossene Glühbirne Feuerwerksfunken. Vielleicht die letzte ihrer Art.

Bis: 23.01.2011



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Ausgabe 12  2010
Ausstellungen Under Destruction (M. Bonvicini, P. Büchler u.a.) [02.03.11-30.04.11]
Institutionen Museum Tinguely [Basel/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Alex Schlesinger
Künstler/in Johannes Vogel
Künstler/in Jimmie Durham
Künstler/in Christian Marclay
Künstler/in Monica Bonvicini
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