Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
12.2010




Bern : Elsbeth Böniger


von: Alice Henkes

  
links: Elsbeth Böniger · Büste, 2010, Bleimantel, 63 x 45 cm
rechts: Elsbeth Böniger · Horn, 2010, Bleispitzen, 83 x 40 cm


Mit alchimistischem Schaffen vergleicht Galerist Bernhard Bischoff die künstlerische Arbeit von Elsbeth Böniger (*1945). Ein treffendes Bild für die in Bern lebende Künstlerin mit Wurzeln in Bergamo, die auf der Suche nach intensiver Schönheit die klassischen Utensilien der Malerei längst beiseite gelegt hat. In ihrem Atelier mischt sie Industriefarben, Autolacke, Silikon und Rostschutzlacke und lässt auf traditionellen Leinwänden, vor allem aber auf Aluverbundplatten, Wabenkartons und Transparentpapieren faszinierende Farbwelten entstehen, die an Landschaften und Tierhäute erinnern, an Wüstenweiten und Laubteppiche, wetterdurchzogene Himmel und sprudelnde Wellentäler. Wie Ausschnitte aus möglichen Vegetationen oder Ansichten unerforschter Planeten wirken viele der Arbeiten, die einen starken haptischen Reiz aussenden: Man möchte den Farbadern, den labyrinthischen Spitzengeflechten aus Lack nachspüren.
In ihrer Erforschung der Oberflächen bedient Böniger sich gern ungewöhnlicher Träger. Gebrauchte Surfbretter erleben in ihrem Atelier eine wunderbare Metamorphose und wandeln sich vom Sportgerät zum Kunstobjekt, das von der Künstlerin mit spiegelnd klaren Lacken oder komplizierten Farbmustern überzogen wird oder mit Pinselzeichnungen, deren Zartheit an japanische Holzschnitte denken lässt. Noch stärker zum Objekt führt die Künstlerin mit ihren neuesten Arbeiten, für die sie Fundstücke wie alte Krüge und Hirschgeweihe mit Blei sowohl zu einer silbrig glänzenden Haut wie auch zu bizarren formalen Erweiterungen verhilft.
Von Elsbeth Bönigers Leidenschaft für unergründlich schöne Oberflächen kündet auch ihr Künstlerbuch "Observatorium", das von Joya Indermühle und Tobias Baitsch herausgegeben wurde. Die Seiten wurden einzeln auf hochwertiges, griffiges Zeichenpapier gedruckt. In jeden Band ist zudem ein Original eingefügt. In Format und Umfang korrespondiert Bönigers Publikation mit einem Künstlerbuch ihres Partners Christian Indermühle (*1945). In dem Band mit dem Titel "Den Horizont in Lichtpunkte auflösen" präsentiert der Architekt und Fotograf eine kleine Auswahl eindrucksvoller Schwarzweissaufnahmen von Stadt- und Naturlandschaften. Die Bilder verdeutlichen das Interesse des Künstlers an besonderen Lichtsituationen, wie der frühen Dämmerung, die in südostasiatischen Wasserlandschaften eingefangen wurde, oder der kalten Helligkeit von Vollmondnächten in den Schweizer Alpen.

Bis: 22.01.2011


Elsbeth Böniger, "Observatorium", und Christian Indermühle, "Den Horizont in Lichtpunkte auflösen", beide hg. von Joya Indermühle und Tobias Baitsch, Berlin 2010, Revolver Publishing, Edition 120 Exemplare



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 12  2010
Ausstellungen Elsbeth Böniger [02.12.10-22.01.11]
Institutionen Bernhard Bischoff & Partner [Bern/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Elsbeth Böniger
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=101218114819O2I-19
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.