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Hinweis
12.2010




Hamburg : Poul Gernes


  
links: Poul Gernes · Installationsansicht, Deichtorhallen Hamburg. Hintergrund: Untitled (tic tac toe paintings), 1967, Courtesy Deichtorhallen. Foto: Fred Dott
rechts: Poul Gernes · 1966 © Galerie Ben Kaufmann. Foto: Asger Sesingø


In den Deichtorhallen Hamburg ist jetzt eine grossangelegte Retrospektive des dänischen Künstlers Poul Gernes (1925-1996) zu entdecken. Zu sehen sind wichtige Werke aus allen Schaffensphasen, also Zeichnungen, Gemälde, Filme, dokumentierte Performances, Möbel und Skulpturen. Die faszinierende Ausstellung beginnt mit Werken aus den Vierzigerjahren, damals vor allem im Stil des Postimpressionismus. Eine Arbeit jedoch fällt da heraus, und zwar sein Bild "Untitled", 1943, auf dem der Schriftzug «Good Year Shanghai» zu sehen ist. Die Druckbuchstaben sind mit Tinte und Papier von Hand aufgetragen und verleugnen gleichzeitig die Handschrift, denn penibel genau folgt Gernes dem vorgebenen Layout. Trotzdem ist das Bild geprägt von filigraner Schönheit. Der hier vorgestellte Verzicht auf eine autonome Autorenschaft wird in der Folge zum zentralen ästhetischen Moment des Künstlers. Dieses gilt für seine mit Industrielack gemalten "Target"-Bilder ebenso wie für seine abstrakten Linien- und Pünktchenbilder, für seine Stühle und Tische im Bauhaus-Stil ebenso wie für sein Design von Krankenhäusern, Kinos und Rathäusern. Diese mal abstrakten, mal floral-ornamentalen Gestaltungen bewegen sich bewusst an der Grenze zum Dekorativen. Denn Gernes betonte: «Seit einigen Jahren verlange ich von meiner Kunst, meinen Mitmenschen Freude zu bereiten und nicht zu einem ästhetischem Egotrip zu werden.» Als sozialer Dienstleister also verstand sich der engagierte Künstler im Laufe seiner Karriere immer mehr und nahm so wichtige Tendenzen der Neunzigerjahre vorweg. 1961 gründete er zusammen mit dem Kunsthistoriker Troels Andersen in Kopenhagen die medienübergreifend und unhierarchisch arbeitende "Experimentierende Kunstschule", die "Eks-skolen", lebte gleichzeitig mit seiner Familie in einer Kommune und arbeitete mit Drogenabhängigen an der Renovierung öffentlicher Gebäude. 1969 dann zeigte Gernes auf einem Performance-Festival in Kopenhagen die Installation "Grosses kollektives Duschbad", die Besuchern beiderlei Geschlechts die Möglichkeit bot, gemeinsam öffentlich in der Ausstellung zu duschen - die "relationale Ästhetik", wie es Nicolas Bourriaud in den Neunzigerjahren formulierte, war bereits geboren.

Bis: 16.01.2011



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Ausgabe 12  2010
Ausstellungen Poul Gernes [08.10.10-16.01.11]
Institutionen Haus der Photographie/Halle für Aktuelle Kunst [Hamburg/Deutschland]
Künstler/in Poul Gernes
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