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12.2010




Paris : Chen Zhen


von: J. Emil Sennewald

  
Chen Zhen · L'autel n°9, 1993, Centre national des arts plastiques - ministère de la Culture et de la Communication, Paris ©ProLitteris


Alte mit junger Kunst aufzufrischen ist ebenso beliebte, wie problematische Masche. Nicht so im "extrêmuseum" Guimet. Direktor Jacques Giès will mit der Asiatika-Sammlung - die reichste ausserhalb Asiens - «an dem teilnehmen, was ich "la fabrique contemporaine de l'art" nenne, also die Produktion ebenso wie das Gewebe, aus dem heute Kunst entsteht». Dies gelang hier, weil Chen Zhen in der Reihe "Déplacements" selbst eng an seine Kultur anknüpfte. Die eingewickelte Wiege, 1995, aus der es leise stöhnt, ist hier mehr als Zeugnis von Todesfurcht und Jammertal. Intelligent aufgestellt gegenüber einer chinesischen Wandmalerei aus dem 10.-12. Jh., wird an ihr ablesbar, wie sich durch die Geschichte Formen aktualisieren - als Neuformierung dessen, was zum Werk bewegt. Augenfälliger noch tritt "La Stèle/le cercueil" von 1985 in Resonanz zu den Schriftrollen aus dem 14. und 15. Jh., Zhens halb versunkene Schreibmaschine wird Gedenkstein und Scharnier zwischen der Welt der Toten und der Lebenden, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Auf die Zukunft verweist sein runder Tisch von 1995: eine Göttertafel mit Blick über Paris. Die Stühle freilich sind an der Platte festgemacht. Götter nehmen hier nicht mehr Platz, aber vielleicht die erhellten Geister der Besucher.

Bis: 13.12.2010



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Ausgabe 12  2010
Ausstellungen Chen Zhen [29.09.10-13.12.10]
Institutionen Musée Guimet [Paris/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Chen Zhen
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