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Editorial
1/2.2011





  
TITELBILD · Mark Divo · Caspar Davids Brotaufstrich, 2010, 93 x 135 cm, Öl auf Leinwand


Wir beginnen das Jahr mit einem Fokus auf Mark Divo und Yorgos Sapountzis - zwei Künstler, die mit Aktionen, Performances und "Bewohnten Skulpturen" in Erscheinung treten. Gleichzeitig erhalten Sie einen Kalender mit zwei Bildtafeln von Mai-Thu Perret, einer Künstlerin, die uns in erster Linie für ihre bildhaften Schilderungen von utopischen Lebensgemeinschaften aufgefallen ist. Ist dieses besondere Augenmerk auf performative Projekte und imaginierte Lebensentwürfe Zufall oder Absicht?
Weder noch! Darin liegt eine gewisse Folgerichtigkeit, denn in Zeiten zunehmender Gleichschaltung, Beschleunigung und Virtualisierung unserer Alltagswelt erhalten eskapistische Gedanken Aufwind. Wie können wir dieser weltumspannenden Einheitskultur entfliehen, wo lassen sich eigene Nischen finden, gestalten und pflegen?
Das Thema ist alt und beim Durchforsten der Kunstgeschichte werden Sie immer wieder darauf stossen. In dieser Ausgabe des Kunstbulletins liefert beispielsweise die Ausstellung über den alle Gesellschaftsschichten und Kunstsparten erfassenden Expressionismus einen historischen Anknüpfungspunkt. Der deutsche Schriftsteller, Verleger und Komponist Herwarth Walden liess 1919 über die Bewegung verlauten: «Er ist eine Weltanschauung. Und zwar eine Anschauung der Sinne, nicht der Begriffe.»
Der Israeli Absalon erprobte Anfang der Neunzigerjahre mit bunkerartigen skulpturalen "Zellen" seinen selbstverordneten Rückzug aus gesellschaftlichen Normen und nahm damit den Ball des "Fluxus"-Künstlers Wolf Vostell auf, der für eine Einheit von Kunst und Leben plädierte. Die Reihe lässt sich fortschreiben mit Florian Slotawas Museumssprints oder Tino Sehgals performativen Auftritten, die aus einer präzis inszenierten institutionellen Reibung ihre Sprengkraft entwickeln. Claudia Jolles



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Ausgabe 1/2  2011
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