Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
1/2.2011


Sibylle Omlin :  Das Centre d'Art Contemporain Genève lanciert eine Plattform zu Video und Film und tritt damit das Erbe der Biennale de l'image en mouvement an. In Zukunft wird in Genf ein geschärfter Fokus auf das bewegte Bild gerichtet und in einem institutionsübergreifenden Format vorgestellt.


Genf : IMAGE-MOUVEMENT


  
Karen Mirza/Brad Butler · The Museum of Non Participation, 2008/09, Videostill


Ein Halbkreis aus Monitoren mit Filmmaterial aus dem Kontext von News und Dokumentarfilm der englischen "as found"-Bewegung, ein grosser runder Tisch voller Filmmagazine aus den Siebzigerjahren - die Installation von Petra Bauer/Dan Kidner "Me you us them", 2010, in der Ausstellung "Atlas. Truths, Details, Intervals and the Afterlives of the Image" fasst programmatisch zusammen, was das Centre d'Art Contemporain CAC im Genfer Quartier des Bains in Zukunft sein will: Es outet sich als kommunikativer Hub für Video und bewegtes Bild und ihre Reflexion in Ausstellungskontexten.
Die von der CAC-Direktorin Katya Garcia kuratierte Ausstellung zeigt in grosszügigen Raumsituationen 13 Positionen mit Film- und Videoarbeiten der Gegenwartskunst. Während den ersten vier Tagen der Ausstellung wurde unter dem Titel "Forum IMAGE-MOUVEMENT" ein dichtes Projektionsprogramm mit Diskussionsanlässen im CAC und weiteren Institutionen gezeigt. Genf, so das Signal, soll eine der wichtigen Städte bleiben, in denen Video- und Medienkunstgeschichte geschrieben wurde und wird. Das legendäre, von André Iten gegründete Centre pour l'image contemporain St. Gervais, das bis 2008 als dynamischer Ausstellungsort, Festivalzentrum, Produktionsstätte und Archiv zugleich wirkte, soll im Quartier des Bains eine neue Zukunft finden.
Denn auch Aussenstehenden blieb nicht verborgen: Nach dem Tod von André Iten herrschte in Genf zunächst eine Zeit der Ungewissheit. Verschiedene kulturpolitische Querelen, aber auch Anregungen für Reflexionen und Neuordnungen waren zu beobachten. Das Centre pour l'image contemporain St. Gervais schloss 2009 seine Türen. Das Erbe wurde ins Quartier des Bains gebracht und aufgeteilt: Das CAC erhielt den Auftrag, Ausstellungen und Vermittlung von Video und Filmkunst fortzuführen. Im Herbst 2009 öffnete der Fonds d'art contemporain (FMAC) der Stadt Genf die Mediathek im BAC, wo ein grosser Teil der Bänder aus dem Fonds André Iten beherbergt und bearbeitet wird. Bereits Ende 2009 hatte das CAC dem Genfer Kurator Simon Lamunière eine erste Ausstellung mit Beständen aus dem Fonds André Iten in Auftrag gegeben. Im Sommer 2010 nahmen die beiden Kuratoren Geneviève Loup und Jean-Michel Baconnier ihre Tätigkeit an der Médiathèque des FMAC auf und traten im Herbst 2010 mit einem ersten Präsentationsprogramm an die Öffentlichkeit. Und nun ist die Plattform IMAGE-MOUVEMENT lanciert.
«Das Erbe der Biennale de l'image en mouvement soll vor allem im Namen und in der Zielrichtung fortgeführt werden», erläutert Katya Garcia-Anton anlässlich der ersten Ausgabe der neuen Plattform. Mit gutem Grund, war doch die Biennale de l'image en mouvement, die 1997 bis 2007 in Genf über die Bühne ging und bereits das Erbe der Semaine internationale de la vidéo übernommen hatte, ein kulturelles Flaggschiff im Bereich des bewegten Bildes mit internationaler Ausstrahlung.
Garcia-Anton setzt jedoch bewusst nicht mehr auf das Biennale-Format, da mit dem Fonds André Iten im FMAC und in Synergie mit anderen Institutionen - auch ausserhalb von Genf - das Terrain bereit sei, um kontinuierliche Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit zu sich laufend entwickelnden Schwerpunktthemen zu leisten. «Zudem hat Genf bereits einen Überhang an Festivals. Der Trend zur kurzzeitigen Festivalvermittlung ist dem Medium Video und künstlerischer Film heute auch nicht mehr angemessen, hat sich das Medium doch längst in Ausstellungskontexten und in den Institutionen etabliert und verlangt neue Formen der Reflexion um die Fragen des Ausstellens, Installierens und Vermitteln.» Das will die Plattform IMAGE-
MOUVEMENT leisten, die im Dezember 2010 ihre Tätigkeit erstmals in einen offenen Rahmen gegossen hat. Nicht von ungefähr hat Katya Garcia-Anton das Thema des Bilderatlas von Aby Warburg gewählt. Das Konzept eines beweglichen Bildarchivs begeistert sowohl Kunstschaffende wie Kunsttheoretiker.
Ziel von IMAGE-MOUVEMENT ist es, das bewegte Bild in Genf wieder institutionell im Ausstellungskontext zu verorten und mit regelmässigen Ausstellungen, Vorführungszyklen, Performances, Konferenzen, Publikationen und Mediationsprojekten zu bespielen. Katya Garcia-Anton sieht dafür die Zusammenarbeit mit bedeutenden Organisationen und Institutionen in Europa vor.
Das klingt ambitioniert und da die erste Ausgabe der Plattform mit dem weitgefächerten Thema des kollektiven Bilderatlas aufwartet, sind die Schwerpunkte in diesem Diskurs auch klar erkennbar. Jedenfalls haben die Kunstliebhaber im Bereich bewegtes Bild nun einen Grund, wieder regelmässig nach Genf zu pilgern.

Bis: 13.02.2011



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 1/2  2011
Ausstellungen Atlas [09.12.10-13.02.11]
Institutionen Centre d'Art Contemporain [Genève/Schweiz]
Autor/in Sibylle Omlin
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1102011000115SA-11
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.