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Besprechung
1/2.2011


Michael Krajewski :  In einem Völkerkundemuseum alter Schule erwartet man in einer Ausstellung zu Afrika Stammeskunst und -kulte, ethnisches und folkloristisches Kunstgewerbe, Masken und Fetische. Das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln bietet Einblicke, die weit über die gängigen Klischees hinausführen.


Köln : Afropolis. Stadt, Medien, Kunst


  
links: Kerstin Pinther · Stadtansicht Kairo, informelles Viertel, 2010
rechts: Méga Mingied · Mémoire 1, Zeichnung und Collage auf Papier, 2009


Die erste Ausstellung im neuen Haus blickt nicht auf den traditionell ländlichen Kontinent, sondern mitten hinein in die Städte, ihre Gegenwart und Zukunft. Rasanter als in Europa beschleunigen sich dort Entwicklungen, gewaltiger sind die Ausmasse, atemloser ist das Tempo - und grösser die Bevölkerung. Nairobi, Johannesburg, Kinshasa, Kairo und Lagos mit drei, fünf, zehn, 20 bis 25 Millionen Bewohnern sind eher Regionen als Metropolen und wachsen ständig. Diese Vielfalt kann "Afropolis" selbst auf 1'400 Quadratmetern Fläche und mit 30 Künstler/innen und Kollektiven aus Afrika und Europa nur andeuten und liefert dennoch eine Überfülle von Einblicken in das, was Urbanität bedeutet.
Dass dabei auch Grenzen zwischen Kunst und Dokumentation überschritten werden, lässt bereits die Zusammensetzung des Organisationsteams erwarten: Die zwei Ethnologinnen Kerstin Pinther und Larissa Förster sowie der afrikaerfahrene Künstler Christian Hanussek haben einen kontinentumspannenden Parcours eingerichtet, der von Ägypten bis Südafrika reicht. Im Mittelpunkt stehen Kunst- und Kulturproduktionen aus diesen Städten - begleitet von Infomodulen. Tische mit ausliegenden Grossstadt-Romanen aus Kenia wechseln sich ab mit Schrift- und Bildtafeln vom ETH Studio Basel zur Migration in Nairobi.
Es ist eine grosse Leistung, diese zahlreichen Künstler, Kuratoren und Kollektive vor Ort zu recherchieren und vorzustellen; doch kommt das Aufweichen der Grenze zwischen Ästhetischem und Dokumentarischem nicht immer der Kunst zugute. Die Filme der Gruppe Slum-TV aus Nairobi decken die Produktions- und Lebensbedingungen vor Ort auf; lassen aber auch fragen, ob sie für Projektionen geeignet sind, denn im direkten Vergleich erscheint der benachbarte Film von Laura Horelli (*1976, lebt in Berlin), welcher die langsame Erforschung der artifiziellen Parkanlagen der Weltbank in Nairobi zeigt, kameratechnisch auf professionellerem Niveau. Die Ausstellungsarchitektur lenkt einen Besucher, der genau das verstehen soll, was sie vorgibt. In der Überfülle gehen gerade die stillen Arbeiten unter; etwa Sabelo Mlangenis (*1980, Johannesburg) Street Photography während des Worldcups 2010 oder die fotografischen Architekturen des Eigensinns von Karola Schlegelmilch (*1964, Berlin). Dennoch, wer Eigenheiten und Kultur der afrikanischen Städte etwas näher kennenlernen will, ist in "Afropolis" richtig.

Bis: 13.02.2011


Umfassender Katalog, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2010



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Ausgabe 1/2  2011
Ausstellungen Afropolis. Stadt, Medien, Kunst [05.11.10-13.03.11]
Autor/in Michael Krajewski
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