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Besprechung
1/2.2011


Isabel Fluri :  Peter Reglis Werk manifestiert sich vornehmlich im öffentlichen (Aussen-)Raum: aktionistisch, unangekündigt und in Form von präzisen, mal subtilen, mal offensichtlicheren temporären Interventionen und mitunter an sehr abgelegenen Orten. "Reality Hacking" nennt er seine künstlerische Strategie.


Kriens : Peter Regli, "Heimkehr der Jäger"


  
Peter Regli · RH_283, 2010. Courtesy Museum im Bellpark Kriens. Foto: Niklaus Spörri


Was darf man von einer Einzelschau im musealen Rahmen erwarten, von einer Konstellation also, in der Peter Regli (*1959, Andermatt) seine eigenen konzeptuellen Vorgaben in gewisser Weise zur Disposition stellt? Schon eine Ausstellung im Zürcher Helmhaus vor rund drei Jahren hat bewiesen, dass "Reality Hacking" durchaus unter institutionellen Bedingungen funktioniert. Was präsentiert uns der Künstler nun in der ehemaligen Fabrikantenvilla, dem heutigen Museum Bellpark in Kriens?
"Heimkehr der Jäger" titulierte Regli die Ausstellung und spielt damit nicht nur auf die berühmte Schneelandschaft von Pieter Brueghel d.Ä. aus dem 16. Jahrhundert an, sondern auch in verschiedener Hinsicht auf seine eigene künstlerische Biografie. Überhaupt macht Regli, dessen Arbeiten üblicherweise kaum Spuren des Persönlichen aufweisen und der sonst als Planer und Netzwerker hinter seinen Interventionen versteckt bleibt, in den ehemals privaten, kabinettartigen Räumlichkeiten in Kriens sich und seine bisherige Arbeit ungewohnt stark - aber natürlich doch gut kaschiert - selbst zum Thema.
Im Untergeschoss, wo der Rundgang beginnt, steht man vor verschlossenen Pforten: Die beiden Eingänge zu den Ausstellungsräumen sind mit massiven Holzlatten zugezimmert. Durch diese Verschläge hört man eigenartige, an die Laute eines wilden Tieres erinnernde Geräusche. Dabei wird kolportiert, dass es sich unter anderem um das Schnarchen des Künstlers handele. Sollte man diese Installation etwa als augenzwinkerndes akustisches Selbstporträt des «privaten» Peter Regli begreifen, wohingegen die Interventionen in den oberen Etagen der Villa auf dessen Künstlervita zu beziehen wären? Der Pseudo-Findling auf dem Stilmöbelsofa, der einem im Hauptraum des Erdgeschosses begegnet, ist ja zweifelsohne ein Zitat - oder gar ein Relikt? - aus einigen sehr frühen "Reality Hackings", die Regli mit «Gefälschten Meteoriten» in der Zentralschweizer Bergregion realisiert hat.
Auch anderweitig findet man in diesen neuen, für die Ausstellung entwickelten Arbeiten geradezu charakteristische künstlerische Gesten und Situationen, die auf Zeit und Vergänglichkeit als zentrale Aspekte des Œuvres hindeuten. Dazu kommen, als Referenz wohl nicht zuletzt an den musealen Kontext und als visuelle Verbindungsglieder zwischen den verschiedenen Räumen, die Drucke, welche bedeutungsträchtige Ausschnitte - erotische oder sonstwie symbolisch aufgeladene Motive - aus diversen Gemälden des 15. und 16. Jahrhunderts wiedergeben.

Bis: 06.02.2011



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Ausgabe 1/2  2011
Ausstellungen Peter Regli [07.11.10-06.02.11]
Institutionen Museum im Bellpark [Kriens/Schweiz]
Autor/in Isabel Fluri
Künstler/in Peter Regli
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