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Besprechung
1/2.2011


Annelise Zwez :  Bei einem Berlin-Aufenthalt 2005 hat sich die Malerei von Conrad Steiner verändert. Die organisch-ungegenständlichen Bildräume konkretisierten sich und wurden zu geheimnisvollen Städtebildern. Die von Markus Stegmann für das Museum Allerheiligen kuratierte Ausstellung zeigt den Wandel.


Schaffhausen : Conrad Steiner, "Vor und nach dem Tag"


  
Conrad Steiner · Strandbad III, 2006, Öl auf Leinwand, 135 x 185 cm


Es war unter anderem ein Schwimmbad, das den Künstler 2005 in Berlin faszinierte. Wasser war in seiner Malerei schon immer wichtig; fliessendes Wasser. In seinem Gemälde ist es gefasst, eine Leiter steht bereit, ein Sprungbrett ist da. Doch eigentlich ist das Brett in "Strandbad III" nur eine mehrfarbige Form und die gelbgrünen Sprossen in der Variante II führen nirgendwohin. Auch die weisse Sprechblase der quer im Bild platzierten Figur verrät uns nichts Näheres. Im Katalog-Interview spricht Sibylle Omlin von «surreal», doch der Künstler meint, treffender sei «spekulativ», da sich die Malerei heute zurückhole, was sie an den Film und die Literatur abgegeben habe; sie zeige, was möglich, aber nicht beweisbar sei.
Der erste Saal der Ausstellung ist Berlin gewidmet, der gegenständlichsten Phase im Œuvre des in Berg (TG) wohnhaften Schaffhausers. Die Säle danach künden vom Rückzug des Erzählerischen zugunsten einer Farbfeld-Malerei zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Erkennbar sind vor allem Kopfformen. Conrad Steiner spricht von der «Ablösung der Farbe von den farbtragenden Dingen».
Einen Schlüssel hierzu liefern zwanzig Fotografien von bearbeiteten Polaroid-Aufnahmen. Während eines Aufenthalts in Schiers bat Steiner Menschen, ihr Lieblings-Kleidungsstück in einem von ihnen gewählten Raum aufzuhängen. Er fotografierte die Situation, bearbeitet, anschliessend die Aufnahmen, stellte die Motive vor am PC generierte Farbhintergründe und druckte sie erneut aus.
Die Fotos sind eine Art de- und rematerialisierte Beobachtungsprozesse. Sie zeigen auf, wie der Künstler konkrete Vorgaben abstrahiert, ohne dass die Motive ihre präzisen sinnlichen Referenzen verlieren. Anklänge an Mode, Textiles, Körperhaftes drängen sich ins assoziative Feld und machen die da und dort platzierten kleinen Motive schnell zum «dritten Auge» einer kompakten, zuweilen an einen Kopf erinnernden zentralen Form. Gewissheit ist indes nicht zu haben. Markus Stegmann spricht von Werken «vor und nach dem Tag», Bildern, die kommen und gehen in einem.
Die Verankerung im Gestern und Heute, in der Tradition der Malerei sowie - über die Verwendung Neuer Medien - auch in der Gegenwart, machen Steiners Gemälde zu intensiven, warmen und doch keineswegs irritationsfreien, weil schwierig zu deutenden malerischen Statements.

Bis: 27.02.2011


Katalog mit Texten von Markus Stegmann, Manuela Reissmann sowie einem Interview mit Sibylle Omlin. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg



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Ausgabe 1/2  2011
Ausstellungen Conrad Steiner [12.12.10-27.02.11]
Institutionen Museum zu Allerheiligen [Schaffhausen/Schweiz]
Autor/in Annelise Zwez
Künstler/in Conrad Steiner
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