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Besprechung
1/2.2011


Miriam Wiesel :  Rückzug in die Öffentlichkeit: Mit dem Projekt einer skulp­turalen Architektur für den Körper, die in ihrer asketischen Reduzierung und Enge zugleich selbstdisziplinatorischer bis autoerotischer Panzer ist, versuchte Absalon, in seiner Kunst zu leben.


Berlin : Absalon


  
Absalon · Cellule No. 1/2/3/5/6 (Prototype), 1992, Ausstellungsansicht KW Institute for Contemporary Art, 2010. Foto: Uwe Walter


Ein junger Israeli verlässt vorzeitig das Militär, baut sich eine Holzhütte und zieht an den Strand. Dort lebt er, bis er genug Geld gespart hat, um nach Paris zu fliegen, one way. "Sisyphos" (1986), eine fragile Konstruktion aus Holz, Papier, Lehm und Faden, entsteht noch in Israel, bevor er 1987 in Paris sein Kunststudium beginnt.Sechs Jahre später ist Absalon (*1964, Aschdod), wie er sich in Anlehnung an den alttestamentarischen Königssohn nennen wird, tot.
Sein Werk ist klein und überschaubar - weiss wie die nach Eretz Israel exportierte Bauhaus-Architektur und ebenso auf Grundformen wie Kubus, Zylinder und Dreieck reduziert. Sechs seiner an den eigenen Körpermassen ausgerichteten skulpturalen "Cellules" (alle 1992) füllen nun den White Cube der KW, bunkerhafte Architekturen an der Demarkationslinie zwischen privatem und öffentlichem Raum. Küche, Nasszelle, Schlafgelegenheit, eine spartanische Einrichtung, die sowohl an Le Corbusier wie an Thoreaus Hütte denken lässt - hier wollte der Künstler leben, wenn er in Paris, Zürich, New York, Tel Aviv, Frankfurt oder Tokio weilte - sichtbar verborgen und einsehbar verbarrikadiert.
Wie seine Bewegungen durch die Enge der Behausung konditioniert wurden, zeigt der Film "Solutions" (1992). Darin streift der Künstler seine schwarz-weisse Kleidung ab, steigt in eine Badewanne und klappt seinen langen Körper ein.
Wie Höhlen wirken die von innen verschliessbaren Vorgängermodelle seiner Zellen - wer sich hier hinein begibt, sitzt fest wie in einem Panzer. Ausbruchversuche hingegen demonstrieren die Videos "Bruits" und "Bataille", entstanden in seinem letzten Lebensjahr. Die Schreie des Künstlers und das Boxen im Kreis ohne einen Gegner zeigen ebenso wie die slapstickartig inszenierte Reihung von Messerattacken in "Assassinats" - ein aggressiver Täter sticht hinterrücks auf Männer ein - das Aufbegehren des aidskranken jungen Mannes gegen die selbst verordnete Disziplin.
Absalons vielversprechende Karriere - er nahm 1992 an der documenta IX teil - wurde durch seinen frühen Tod 1993 abrupt beendet. Erstmals wird sein rätselhaftes Werk jetzt von KW Institute for Contemporary Art in einer Einzelausstellung umfassend gewürdigt.

Bis: 20.02.2011



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Ausgabe 1/2  2011
Ausstellungen Absalon [28.11.10-06.03.11]
Institutionen KW Institute for Contemporary Art [Berlin/Deutschland]
Autor/in Miriam Wiesel
Künstler/in Absalon
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