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Hinweis
1/2.2011




Brüssel : Francis Alÿs


  
links: Francis Alÿs · As long as I'm Walking, Mexico City, 1992-2010. Foto: Filip Vanzieleghem
rechts: Francis Alÿs · The Green Line (Sometimes doing something poetic can become political and some­times doing something political can become poetic), Jerusalem 2004, mit Julien Devaux, Rachel Leah Jones und Philippe Bellaiche, Video. Courtesy David Zwirner Gallery. Foto: Filip Vanzieleghem


Manchmal wird aus Poesie Politik, manchmal aus Politischem Poesie - es kommt darauf an, Wege aufzuzeigen und zu beschreiten, um den Wandel zu vollziehen. Alÿs' «grafische Methode» zeichnet ihre eigenen Spuren auf, schafft mit der Zeichnung als Handlung Vorgaben, denen man folgen kann.
Ein blauer Strickpullover hängt an der Wand, einer seiner Fäden läuft in eine Rolle, gekoppelt mit elektrischem Motor und Bewegungsmelder. Mit jedem Besucher wird das Maschenwerk etwas aufgelöst. Die Arbeit "A stitch in time" (2003) des englischen Künstlers Robert Currie zeichnete bis 15.1. im Pariser Vorort Gennevilliers in einer Ausstellung über die wissenschaftliche "Methode graphique" mit dem Faden menschliche Präsenz auf. Francis Alÿs wickelte 1995 seinen blauen Wollpullover für "Fairy Tales", eine seiner ersten Spaziergangs-Aktionen in seiner Wahlheimat Mexico City, entlang einer Wanderung ab.
Wir müssten heute Fabeln schaffen, schreibt er dazu im Katalog. Es folgten andere «urbane Fabeln», wie "Green Line", Kernstück der umfangreichen Retrospektive im Brüsseler Kunstzentrum Wiels. 2004 spurte Alÿs zwei Tage lang mit einer gelöcherten Dose grüner Farbe die 1948 gezogene Demarkationslinie in Jerusalem nach. Die Dokumentation der Aktion ergänzte er um Interviews und Kommentare. Durch einen klug gehängten Parcours, in dem sich die verschiedenen Werkformen gegenseitig kommentieren, wird in Brüssel die Arbeit von Alÿs als ein Umspielen von Territorien, Grenzen und formalisierten Handlungsabläufen nachvollziehbar. Die Videos, Zeichnungen und kleinen Gemälde, wie das abstrakte Diptychon "Palästina", 2005, wirken als Urkunden ebenso wie als Spuren von Kommendem. Ihnen zu folgen verlangt Mut. So beeindruckt "Song for Lupita (Mañana)", 1998, der Zeichentrickfilm von einer Frau, die unablässig Flüssigkeit zwischen zwei Gläsern umfüllt, im Silo der ehemaligen Brauerei nicht nur wegen ihrer filigranen, von Gesang begleiteten Schönheit: Das Blatt Papier, auf welches das Video projiziert wird, hält eine dünne Rute etwa 20 Meter über dem Abgrund. Den imaginären Sturz zeichnet "Knods", 2005, auf, eine durchs gesamte Treppenhaus hängende Schnur voll bremsender Knoten. Alÿs' Kunst verwickelt ihren Betrachter in eine Balance am Grenzverlauf. Durch ihre Poesie, doch oft auch durch dramatische Tollkühnheit. Um seinen Überschreitungen Sinn und Richtung zu geben, müssen wir in Bewegung bleiben - dem unlängst auch mit dem wichtigsten niederländischen Kunstpreis geehrten Künstler auf den Fersen.

Bis: 30.01.2011


mit Katalog



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Ausgabe 1/2  2011
Ausstellungen Francis Alys [09.10.10-30.01.11]
Institutionen Bonnefantenmuseum [Maastricht/Niederlande]
Institutionen WIELS [Brüssel/Brussel/Bruxelles/Belgien]
Künstler/in Francis Alÿs
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