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1/2.2011




Giessen und Wetzlar : Iris. Die Erfindung der Farben …


von: Grit Weber

  
links: Gary Hill · Bemerkungen über die Farben (Remarks on Color), 1994 ©ProLitteris
rechts: Andreas Slominski · Wiener Schwarz, 1993


«Das Licht ist das einfache, unzerlegteste, homogenste Wesen, das wir kennen. Es ist nicht zusammengesetzt. Am allerwenigsten aus farbigen Lichtern», schrieb 1810 Goethe als Schlusserkenntnis seiner umfangreichen Farbenlehre und positionierte sich damit gegen Newtons Wellentheorie. Wie wir heute wissen, irrte Goethe mit dieser Annahme. Trotzdem ist seine komplexe Schrift, die auch als erste farbpsychologische Auseinandersetzung gilt, heute ein munter sprudelnder Quell für Kulturhistoriker. 200 Jahre nach der Erstausgabe von Goethes Farbenlehre veranstalten die hessischen Städte Giessen und Wetzlar eine umfangreiche Ausstellungsreihe zum Thema Farbe, die das Phänomen von der physikalischen, historischen und künstlerischen Seite beleuchtet.
Der Neue Giessener Kunstverein, Deutschlands kleinster Kunstort, zeigt in seinem Raum diesmal lediglich ein Fläschchen mit "Wiener Schwarz", eine Arbeit von Andreas Slominski aus dem Jahre 1993. Für die weiteren Beiträge bespielt der Kunstverein den grossen Ausstellungsraum in der Kongresshalle. Dort entrollt er mit Werken von John Baldessari, Antonio Calderara oder Bruce Nauman eine vielseitige Auseinandersetzung mit dem Thema der Farbe in der zeitgenössischen Kunst. So beschäftigen sich die kleinen, aber wirkmächtigen monochromen Tafeln von Günter Umberg mit dem Eigenwert der Farbe und ihrer Entmaterialisierung im Bild. Wir sehen zudem Beispiele von Josef Albers' "Interaction of Color", die beweisen, dass Farbnachbarschaften die Wahrnehmung von Farbqualitäten erheblich beeinflussen. Jorinde Voigt entwickelt mit "Botanic Code" eine Abstraktionsleistung sondergleichen. Im Londoner Chelsea Garden untersucht sie verschiedene Gewächse und ermittelt so die Farbwerte eines Schmetterlingsflieders oder der Sophora Microphylla. Kategorien und Ordnungen entfalten auch auf Horst Keinings 39 gemalten Farbtafeln einen ästhetischen wie lyrischen Reiz, haben doch Namen wie Helio-Echtgelb dunkel, Vandyckbraun oder Neapelgelb eine bereits literarische Qualität. Dabei lernen wir aus diesen und anderen Beiträgen der sehr sehenswerten Schau vor allem eines: Obwohl Wissenschaft und Industrie das Geheimnis der Farbwahrnehmung durch Objektivierung und Synthetisierung gelüftet haben, hat die Farbe ihre Magie auch für uns Zeitgenossen erhalten.

Bis: 06.02.2011



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Ausgabe 1/2  2011
Ausstellungen Iris. Die Erfindung der Farben [19.11.10-06.02.11]
Institutionen Neuer Kunstverein [Giessen/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Andreas Slominski
Künstler/in Günter Umberg
Künstler/in Jorinde Voigt
Künstler/in Josef Albers
Künstler/in Gary Hill
Link http://www.die-erfindung-der-farben.de
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