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1/2.2011




Marne-la-Vallée : Denis Savary


von: J. Emil Sennewald

  
links: Denis Savary · Ausstellungsansicht, 2010, Centre d'art contemporain de la Ferme du Buisson. Foto: Aurélien Mole
rechts: Denis Savary · Ausstellungsansicht, 2010, Centre d'art contemporain de la Ferme du Buisson. Foto: Aurélien Mole


Draussen vor der Tür von Paris liegt die Ferme de Buisson, Baudenkmal früher Agrar-Industrialisierung, inmitten einer Neustadt mit Disneyland. Im regen Kulturzentrum führt zurzeit Denis Savary durch die vielen Facetten seiner Arbeit. Schon der erste Saal wirkt wie eine in den Raum ausgebreitete Zeichnung: 1'500 schwarze Nägel in einer Wand, Zitat eines nicht realisierten Projekts des funktionalistischen Architekten Gerrit Rietveld, setzen das Raster von fünf Fotografien fort, auf denen ein über einem Abgrund hängendes Fluggerät, ein erster Versuch des Flugpioniers Ferdinand Ferber, zu sehen ist. Im Raum selbst sind schwarze Holz-Tragekisten verteilt, Nachbildungen von kistenartigen Kostümen aus mittelalterlichen, metaphorischen Darstellungen. Diese erinnern beispielsweise an die Umhänge der von Nicolas de Larmessin 1695 auf Kupferstichen dargestellten Handwerksleute, die ihre Werkzeuge in Bauchläden und Traggestellen auf sich tragen. Auf einer sitzt, einziger Farbfleck, ein Papagei. Das beliebte Requisit findet man bei Marcel Broodthaers, 1974, ebenso wie bei Louise Lawler, 1982, oder jüngst bei Evariste Richer. Hier wird der ikonografische Verweis zum Akteur im neu formierten Handlungsraum. Savary agiert wie ein «Polyhistor», ein suspekter Universalgelehrter, der Wissensinhalte, losgelöst von analytischen Rastern, wie Spielfiguren für Ein- und Ausbildung setzt. Im Google-Zeitalter formt Savary ihnen ein szenisches Eigenleben aus Andeutungen und Aneignungen. So kombiniert er die 459 gezeichneten Meereslandschaften des bretonischen Künstlers Morio mit dem Video eines schlechten Trompetenspielers zu einer Art Roadmovie. Oder er spielt mit der Reproduktion von Oskar Kokoschkas "Alma", bizarres Remake der geliebten Alma Mahler. Hier erzeugt die Puppe mit drei weiteren Nachbildungen und dem Hintergrundgeräusch eines Heissluftballons ein Drehmoment, das Nachahmung, Unterwerfung und Unterworfen-Sein verwirbelt. «Afokalität ist eine Absicht dieser Ausstellung», erklärt Savary, «ich will disziplinär festgefahrene Formen aufbrechen, neue, fliessende Konstellationen finden, hin zu undefinierbaren Formen, zu beckettschen Momenten in der Schwebe.» In all der gebotenen Diversität kann man sich leicht verlaufen, während Savary, der jüngst auch eine Tanzkompagnie gegründet hat, weiterführt in mit Referenzen prall gefüllte Bildräume.

Bis: 13.02.2011



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Ausgabe 1/2  2011
Ausstellungen Denis Savary [21.11.10-13.02.11]
Institutionen La Ferme du Buisson [Noisiel/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Denis Savary
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