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1/2.2011




Wien : Marcel van Eeden


von: Patricia Grzonka

  
links: Marcel van Eeden · CELIA, 2004-2006, Negrostift auf Papier, Courtesy Burger Collection, Hongkong
rechts: Marcel van Eeden · CELIA, 2004-2006, Negrostift auf Papier, Courtesy Burger Collection, Hongkong


Marcel van Eeden, der einem grösseren Publikum erstmals bei der Berlin Biennale 2006 bekannt geworden ist, arbeitet in einem altertümlichen Bildmedium, das gleichwohl in den letzten Jahren eine Renaissance erfahren hat: der Zeichnung. Mit schwarzem Nero-Stift zeichnet er Tag für Tag Blätter - meist genau eines pro Tag -, die ein Faible für die grafischen Qualitäten dieser Technik erkennen lassen. Die Abfolge von schwarzgrauen Schattierungen, feinen Strichen und dichten Linien, mit denen van Eeden seine Motive festhält und konturiert, sind auch Merkmal einer Handwerklichkeit, die mit einem kalkuliert unzeitgemässen Gestus des Authentischen operiert.
Dieser merkwürdige Retro-Look seiner Zeichnungen, deren Fundus «aus der Vergangenheit» stammt - nämlich aus der Zeit vor van Eedens Geburtstag am 22. November 1965 -, korrespondiert zu einem Grossteil auch mit dem Inhalt der Arbeiten, in denen sich der Künstler literarischen Vorlagen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zuwendet. Sein bereits 2006 vollendeter und nun gezeigter Zyklus "Celia" etwa geht von vier unterschiedlichen Texten aus: T.S. Eliots "The Cocktail Party" (woraus die Namensgeberin für den Ausstellungstitel stammt), Robert Walsers "Der Spaziergang", Jack Bilbos "An Autobiography" sowie einige Zitate aus dem niederländischen Roman "Laatste dagen" von J. van Oudshoorn. Marcel van Eeden, Holländer mit Wohnsitz in Zürich, interessiert dabei der freie Ausdruck in zeitgenössischer Form als Instrument zum Aufspüren eines Künstlerselbst, mit dem er wie ein Alltagsarchäologe Fundstücke zu fiktiven Autobiografien zusammensetzen kann.
Asynchron kombiniert van Eeden Sujets von unspezifischer Ungefährheit mit Textzeilen, die einmal im darauf folgenden Bild ihre Fortsetzung finden, ein andermal aber auch unvermittelt abbrechen. Im Ansatz vergleichbar mit dem Stadtflaneur, der jeden Zusammenhang seiner Streifzüge negiert, baut er seine postmodernen Bildserien mehr assoziativ als linear. Gleichzeitig aber scheint immer wieder ein Faden der Erzählung durch, der deutlich dem Wunsch nach einer kohärenten Geschichte geschuldet ist, wie beispielsweise beim Schluss der 148 Blätter umfassenden Reihe, die mit den Worten «Ich hatte mich erhoben, um nach Hause zu gehen; denn es war schon spät, und alles war dunkel» endet (wiederum einem Walser-Zitat) und dabei die Nachtansicht einer Stadt zeigt. Ein gewisses narratives Element wird also bei van Eeden reaktiviert - eine überraschende Wendung in der zeitgenössischen Bildproduktion.

Bis: 30.01.2011



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Ausgabe 1/2  2011
Ausstellungen Marcel van Eeden [02.12.10-30.01.11]
Institutionen BAWAG P.S.K. Contemporary [Wien/Österreich]
Autor/in Patricia Grzonka
Künstler/in Marcel van Eeden
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