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Artikel
SWISS ART AWARDS 2010


Christina Végh :


Christina Vegh-Gronert

Eidg. Preis für Kunst-Kunst-und Architektur-Vermittlung



Notizen zur Kunstvermittlung

1. altmodisch
Begeisterung, Überraschung, Staunen - es sind unvermittelte, einzigartige und spezifische Erfahrungen, die möglich sind bei der Rezeption von Kunst. Jede und jeder macht sie für sich. In Zeiten sich immer mehr verbreitender sekundärer Erlebnisangebote, durch die es dem Einzelnen zuweilen schwer fällt, zu differenzieren, welches Erlebnis er selbst gemacht, und welches sich durch Reality Shows, Computerwelten oder Facebook-Communities vermittelt hat, gewinnt die Bedeutung der Kunstvermittlung. Eine durch und durch altmodische Sache.

2. antizyklisch
Sich dem vermeintlich Nutzlosen zu widmen, ist in der ökonomisierten Lebenswelt lebenswichtig. Was zunächst als beschauliche «Kunst-Insel» im lärmigen Umfeld erscheint, entpuppt sich als ganz und gar nützlich. Denn auf der «Kunst-Insel» sind kritische, möglicherweise auch konstruk-tive Kommentare, Impulse und Anregungen zu finden, die unter Umständen im Getöse draussen Melodie, Rhythmus oder Kontrapunkt aufzuspüren vermögen.

3. anti-autoritär
Jedes Sprechen über die Kunst birgt die Gefahr einer Fixierung in mehr oder minder sich sprachlich linear entwickelnder Argumentationen. Eine Eigenschaft, die der Kunst zuwider ist. Dementsprechend stehe ich für eine Vermittlung ein, die ihre eigene Kontingenz offenlegt. Keine autoritäre Verkündung von Wahrheiten, sondern Möglichkeiten, Bruchstücke, Facetten.

4. unverzichtbar
Als «Orchideenfach» wird die Kunstgeschichte bezeichnet. Kunst und Kultur sei Luxus. Dem gegenüber stehen zahlreiche historische Quellen, die darlegen, dass die Menschheit gerade in existenziell schwierigsten Zeiten auf Kunst und Kultur nicht verzichten konnte. Sie sind das entscheidende Instrumentarium, um in widrigsten Umständen sich seine Würde und Menschlichkeit zu bewahren. Demnach ist Kunst nicht Luxus. Sondern es ist Luxus, darüber zu debattieren, ob es Kunst braucht. In diesen Tagen ist kaum jemand in der Kultur nicht von Kürzungen betroffen. Kunstvermittlung: sich dafür einsetzen, künstlerische Ziele zu realisieren einerseits, sich dafür starkmachen, dass auch eine breite Öffentlichkeit versteht, dass Kunst nicht Luxus ist, sondern grundlegende Basis für jedes Tun andererseits.


1970 Geboren in Zürich
Lebt und arbeitet in Bonn

Berufliche Kurzbiografie
1990-2000 Studium an der Universität Zürich
2000-2001 Wissenschaftliche Assistenz, Kunsthalle Basel
2002 Kuratorin, Kunsthalle Basel
2002/2003 Interimistische Leitung der Kunsthalle Basel
Seit 2004 Direktorin des Bonner Kunstvereins
2008 Im Vorstand der AdKV tätig (Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kunstvereine)

Publikationen (Auswahl)
2005 Pleasure in Collapses: Gert und Uwe Tobias' Erzählung vom Wunder und Grauen in der Fremde, in: Gert und Uwe Tobias, Früher oder Später, Peter Mertes Stipendium, Katalog, Bonner Kunstverein
2005 Sehend Gehen: Wendende Punkte in performativer Malerei, in: Victoria Morton,
Katalog Bonner Kunstverein, Revolver Verlag
2005 Kosmische Fiktion und Funktion: Das Versprechen in Corey McCorkles Werk, in: Parkett, Nr. 74, September
2006 Schwindel und Taumel im Zusammenspiel von Jonas Dahlberg und Jan Mancuska, in: The First Minute of the Rest of a Movie, Jan Mancuska-Jonas Dahlberg, Revolver Verlag, (Katalog Bonner Kunstverein, Neue Kunsthalle St. Gallen)
2007 Die magische Verwandlung: Baldessari, Beethoven und der Surrealismus, in: John Baldessari: Music, Bonner Kunstverein und Kunstmuseum Bonn, Katalog, Walther König Verlag, Köln
2008 What we need in life, in: Jorge Pardo, Phaidon Press, London
2008 Müllhalde und Vision: Schablonen, in: Textheft zur Ausstellung Rita McBride: Public Works,
Museum Abteiberg, Mönchengladbach, September 2008
2009 Das Versprechen der Malerei - ein Drink mit Johnny, Ralph und Vivienne, in: Jorge Pardo,
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Richter Verlag
2009 Verbergen und Verschieben: Baldessari, Botticelli und die Sehnsucht nach Schönheit und Harmonie, John Baldessari, Noses & Ears, Etc. (part Four), Galerie Mai 36, Zürich

Auszeichnungen/Preise
2003 Förderungsstipendium New York durch die Christoph Merian Stiftung, Basel
2008 Förderpreis der Sparda Bank West für den Bonner Kunstverein



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Ausgabe 14  2010
Autor/in Christina Végh
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