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SWISS ART AWARDS 2010


SØnke Gau : Katharina Schlieben :


Sønke Gau/Katharina Schlieben

Eidg. Preis für Kunst-Kunst-und Architektur-Vermittlung



Die Polyphonie künstlerisch/kuratorischer Praxen sowie die Notwendig-
keit einer veränderten Förderpolitik


Die vielfältigen Produktionsmodi zeitgenössischer Kunst erfordern unterschiedliche Rezeptions- bzw. Partizipationsmöglichkeiten sowie Distributionsweisen. Auf Grund der Ausdifferenzierung und ihrer je spezifischen Anforderungen sollte auch nicht von DER kuratorischen Praxis gesprochen werden, sondern im besten Fall von einer Polyphonie verschiedener kuratorischer Praxen, die mit den jeweiligen Produktionslogiken zeitgenössischer Kunst in Dialog stehen und auf Grundlage dieser Kommunikation Präsentations- und Vermittlungsformate entwickeln und vorschlagen.

Während sich einige Formate in der zeitgenössischen Kunst vor dem Hintergrund von eingespielten Repräsentationstraditionen ohne Weiteres entfalten und vermitteln lassen, benötigen andere ein offenes Experimentierfeld, um neue Wege der Recherche, Produktion und Vermittlung finden und artikulieren zu können. Viele dieser künstlerischen Praxen betreiben im weitesten Sinn eine Form von «Wissensgenerierung», die spezifische Anforderungen sowohl an die kuratorischen Praxen als auch an kulturpolitische Arbeit stellen. Es geht unter anderem um die Frage, welche Praxis wie unterstützt werden kann und sollte.

Von kuratorischer Seite kann dies eine Bereitschaft zu «Langzeitprojekten» sein, welche auch notwendige Zwischenschritte der künstlerischen Recherche und Produktion dialogisch begleitet, unterstützt und vermittelt. Bei solchen prozessorientierten Projekten entfaltet sich der Werkbegriff nicht selten in einen Praxisbegriff, der Prä- und Postproduktion genauso wie reflexive Vermittlungstools mit einschliesst und eine Archivierung und Distribution konsequenterweise nach sich ziehen sollte. Um diesen künstlerisch-kuratorischen Austauschprozess in Bezug auf
Fragen der Wissensgenerierung, der Präsentation und Vermittlung nachhaltig zu gestalten, bedarf es auch entsprechender finanzieller Unterstützung. Uns erscheint diesbezüglich ein enger Dialog mit Förderinstitutionen notwendig, um das Wissen über die Anforderungen solcher Projekte genauso wie über deren Methodologien weiterzugeben und dadurch andere Möglichkeiten der Förderung zu erreichen. Wir denken, dass es an der Zeit ist, diesen Ansatz verstärkt zu artikulieren, damit mittelfristig die aus unserer Sicht notwendigen Nachjustierungen von Förderstatuten im konstruktiven Dialog mit den betreffenden Stellen der Kulturpolitik und -förderung vorangetrieben werden können. Konkret sehen wir dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf folgende Punkte:

-Honorarpolitik gegenüber KünstlerInnen
-Produktionskosten, einschliesslich Prä- und Postproduktionskosten sowie Unterstützung der angesprochenen Reflexions- und Vermittlungstools
-Förderung langzeitorientierter Projektdynamiken
-Möglichkeit kollektiver Arbeitsweisen
-Unterstützung transdisziplinärer Ansätze
-Finanzierungen von künstlerischen Recherchen
-Möglichkeiten transnationaler Zusammenarbeit und Austauschs, was die Infragestellung ausschliesslich national ausgerichteter Förderkonzepte mit sich bringt
-Diskursive Programme/Anteile, die nicht als Rahmenprogramme definiert werden, sondern die als Teil der Wissens- und Projektproduktionen mit anerkannt werden


Sønke Gau
1972 Geboren in Hamburg
Lebt und arbeitet in Zürich und Berlin

Berufliche Kurzbiografie
2000-2001 Institut für Gegenwartskunst der Akademie der Bildenden Künste Wien
Seit 2001 Kontinuierliche kuratorische Zusammenarbeit mit Katharina Schlieben
2001-2003 Ausstellungsorganisator und Kurator am Künstlerhaus Wien
2003-2004 Projektleitung der 3. berlin biennale für zeitgenössische kunst
2004-2009 Gemeinsam mit Katharina Schlieben Kurator der Shedhalle
Seit 2004 Regelmässige Lehraufträge und Dozenturen an verschiedenen Schweizer Kunsthochschulen
Seit 2010 Projektleitung des Forschungsprojektes des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) «Institutions of Critique» am Institut für Theorie (ith) der Zürcher Hochschule der Künste

Publikationen
Regelmässige Veröffentlichungen in Publikationen und Zeitschriften

Katharina Schlieben
1973 Geboren in Freiburg i. Breisgau
Lebt und arbeitet in Dresden und Zürich

Berufliche Kurzbiografie
2000-2001 Mitbegründerin der Daniela Johnson Projektreihe (Goldsmiths College London),
Gastkuratorin an der South London Gallery, London
Seit 2001 Kontinuierliche kuratorische Zusammenarbeit mit Sønke Gau
2002-2004 Kuratorisches Team des Kunstvereins München (gemeinsam mit Maria Lind und Sören Grammel)
2002/2003 Gastkuratorin am Künstlerhaus in Wien
2004-2009 Gemeinsam mit Sønke Gau Kuratorin der Shedhalle
Seit 2004 Regelmässige Lehraufträge und Dozenturen an verschiedenen Schweizer Kunsthochschulen
Seit 2010 Kuratorin und Lehre an der Akademie Dresden

Publikationen
Regelmässige Veröffentlichungen in Publikationen und Zeitschriften

Gemeinsame Herausgabe folgender Publikationen:
2003 «site-seeing: disneyfizierung der städte?» bbooks, Berlin
2004-2009 Zehn Ausgaben der «Shedhalle Zeitung», Shedhalle, Zürich
2008 «Spektakel, Lustprinzip oder das Karnevaleske? Ein Reader über Möglichkeiten, Differenzerfahrungen und Strategien des Karnevalesken in kultureller/künstlerischer Praxis», bbooks, Berlin
2009 «Work to do! Selbstorganisation in prekären Arbeitsverhältnissen», Verlag für moderne Kunst Nürnberg



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Ausgabe 14  2010
Autor/in SØnke Gau
Autor/in Katharina Schlieben
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