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Artikel
Prix Meret Oppenheim 2010




Einleitung




Die Prix Meret Oppenheim gehen in ihrem zehnten Jahrgang an sechs ­Persönlichkeiten des Kunst- und Architekturbetriebs, deren Präsentation sich hier ­aufgrund ihres allgemeinen Bekanntheitsgrades erneut auf ein paar wenige ­erläuternde Worte beschränken lässt. Vier Kunstschaffende zeichnet das BAK auf Empfehlung der Eidgenössischen Kunstkommission im Jahr 2010 aus - Yan Duyvendak, Claudia und Julia Müller sowie Roman Signer -, hinzu kommen die Kuratorin Annette Schindler und der Architekt Gion A. Caminada.

Yan Duyvendak hat mit seinen ebenso attraktiven wie hintergründigen ­Performances die Kunstszene der letzten zwei Jahrzehnte belebt und bereichert. Er ist ein virtuoser Performer, stark in der Präsenz und im theatralischen ­Ausdruck, witzig, unterhaltend, aber nie flach. Denn der attraktiven Oberfläche ­seiner Aufführungen liegt ein hohes Mass an politischer Reflexion und kritischer Selbstreflexion zugrunde. Yan Duyvendak gelingt im Spiel mit der ­theatralischen Verführung, die Dekonstruktion der Positionen - auch der ­eigenen - und damit ein Stück kritische Aufklärung.

Claudia & Julia Müller haben die Kunstwelt auf diskrete Art erobert. Das mag ­daran liegen, dass der Ursprung ihrer gemeinsamen Arbeit in der Zeichnung liegt, einem eher diskreten Medium. Es ist aber auch Ausdruck einer künstle­rischen Haltung, die die dialektische Entwicklung pflegt - nicht zuletzt im ungewöhnlichen Zusammenspiel der beiden Künstlerinnen: Sie haben sich in den letzten Jahren in einem kontinuierlichen Vorwärtsgang neue Räume und neue Medien erschlossen und sind dabei farbig, multimedial und installativ ­geworden. Heute steht die Arbeit der beiden Künstlerinnen an einem Punkt, wo eine ­Anerkennung durch die Kunstkommission und das BAK längst fällig scheint.

Mit Roman Signer ehrt die Eidgenössische Kunstkommission einen der ­Grossen der Schweizer Gegenwartskunst. Dass Signer als Plastiker, als Performer und Videokünstler ein eigenes Kapitel der Kunstgeschichte geschrieben hat, ist heute allgemein anerkannt. Die Texte zu seiner Arbeit verweisen auf ­Begriffe wie «Zeit», «Transformation», «Dynamik»; zur Charakterisierung ­seiner Werke hat sich inzwischen der Neologismus der «Zeitskulptur» etabliert. Roman Signer selbst ist ebenfalls dynamisch geblieben, auch seine jüngsten Arbeiten faszinieren, ­zeugen von ­einer andauernden Suche und Kraft, von einem Künstler, der ganz in der Gegenwart steht.

Der Prix Meret Oppenheim für Kunstvermittlung geht dieses Jahr an Annette Schindler. Die langjährige Leiterin des [plug.in] in Basel und ­Ausstellungskuratorin des Festivals der elektronischen Künste SHIFT ist dem ­aktuellen Kunstbetrieb vor allem durch ihren Einsatz für die elektronische ­Medienkunst ein Begriff. Darüber hinaus sollte nicht vergessen gehen, dass ­Annette Schindler in ihrer Zeit als Direktorin des Kunsthaus Glarus und als Leiterin des Swiss Institute New York auch ein «klassisches» Gegenwartskunst-Programm kuratierte und dass sie gleichzeitig als profunde Kennerin des zeitgenössischen Designschaffens gilt - eine Offenheit und ein Interesse gegenüber der kreativen Vielfalt, die man nur selten antrifft.

Gion A. Caminada ist das Gegenbild zum «Global Architect» und steht ­dennoch für eine Haltung, die als Modell globale Gültigkeit beanspruchen darf. Ausgangspunkt seiner Architektur ist die Verankerung im Lokalen, in der ­Gemeinschaft, in ihrer historischen und architektonischen Tradition. Seine ­Bauten aber sind weder von Nostalgie gefärbt noch von formellen Rückgriffen ­ge­zeichnet; sie sind fest in der Gegenwart verankert und leisten die lokale ­An­bindung und Akzeptanz in ihrer Struktur, nicht in ihrem Äusseren. ­Caminada ist heute zu Recht einer der international meistbeachteten Schweizer ­Architekten.

Andreas Münch



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Ausgabe 13  2010
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